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Wie sich unser Schicksal im Verborgenen formt

Eine Krankheit kann sich über Jahre hinweg vorbereiten, bevor sie zum Ausbruch kommt, denn ihre Ursache sind in der Regel Toxine, die sich nach und nach im Körpermilieu ansammeln. Unser Körpermilieu schafft die Verbindung zwischen unserer Vergangenheit und Zukunft, zwischen unserer Lebensweise und ihren Folgen für unsere Gesundheit. Diese Verkettung von Ursache und Wirkung ist ein Ausdruck des Gesetzes der Wechselwirkung auf der körperlichen Ebene. Die Naturgesetze sind in allen Bereichen gültig. Wenn sich also unsere Lebensweise auf unser Körpermilieu auswirkt, so wird sie auch auf der geistigen Ebene ihre Spuren hinterlassen.

Unser Geist – unser eigentliches Ich – stammt aus dem geistigen Reich, auch Paradies genannt. Bei seiner Wanderung bis herab auf diese Erde durchquert er Ebenen von unterschiedlicher Beschaffenheit und erhält in jeder Ebene eine entsprechende Hülle, damit er dort leben und wirken kann. So legt sich eine Hülle über die andere, wobei die letzte, äußerste der Erdenkörper ist. Im folgenden beschreibt der Begriff "Seele" den Menschengeist mit seinen verschiedenen feinerstofflichen Hüllen.

Das Herz als Sitz unserer Seele?

Wir sind gewohnt, das Herz als den Sitz der Emotionen und des Gemütes anzusehen. Wir sprechen davon, daß "Kummer unser Herz bricht" oder es "vor Freude überfließt", daß wir uns etwas "von ganzem Herzen" wünschen oder jemanden "von Herzen" lieben. Es geht dabei jedoch nicht um das physische Organ, das in unserer Brust schlägt, sondern um unsere Seele. Diese ist über das Sonnengeflecht – den Solarplexus –, der tatsächlich nicht weit vom Herzen entfernt ist, mit dem Körper verbunden. Starke Emotionen spüren wir an dieser Stelle, und sie können sogar den Herzrhythmus verändern.

Unsere Sehnsüchte, Wünsche und Ängste haben ihren Ausgangspunkt also in unserer Seele und sind daher von einer viel feineren Beschaffenheit als das, was unser Körper erzeugen kann.

Daß sich unser Innenleben auf der seelischen und nicht auf der körperlichen Ebene abspielt, ist uns an sich nicht fremd. Sind wir traurig, weil uns etwas Schmerzliches getroffen hat, so fühlen wir uns schwer. Dieses Gefühl der Schwere hat nichts mit einer Zunahme an Körpergewicht zu tun, sondern deutet auf eine Veränderung unserer feinen Seelenhüllen. Sie verlieren einen Teil ihrer Leichtigkeit, was wir bis in unseren Körper spüren. Schmerzliche Erlebnisse hinterlassen "Seelenwunden", durch die die Seele in ihrem Wirken beeinträchtigt werden kann.

Vollwertige und denaturierte "Seelennahrung"

So wie die Nahrungsmittel, Medikamente und Gifte, die wir unserem Körper zuführen, allesamt ihre Spuren im Körpermilieu hinterlassen, gilt dies auch für unsere Gedanken, Gefühle und Empfindungen: Sie wirken sich auf den ihrer Art entsprechenden Seelenkörper aus und drücken ihm ihren Stempel auf. Den für unseren physischen Körper günstigen Nahrungsmitteln entsprechen auf seelischem Gebiet edle, gütige und lichterfüllte Gedanken, praktizierte Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, eine respektvolle Haltung, aber auch das Streben nach Veredelung und Gerechtigkeit. Solche Gedanken beleben unsere Seele und helfen ihr, sich zu entfalten.

Große Prinzipien wie Pflichtbewußtsein und Gerechtigkeitsempfinden können pervertiert werden zu Kontrollzwang und Härte. Diese gleichen denaturierten Nahrungsmitteln – sind also teilweise ihres wertvollen Inhaltes beraubt (raffinierte Nahrungsmittel) oder enthalten fremde und gefährliche Bestandteile (durch Nahrungszusätze vergiftete Lebensmittel).

Genauso wie wir Reizmittel (Tabak, Alkohol, Kaffee) zu uns nehmen, um uns munter und energiegeladen zu fühlen, können wir schädliche Eigenschaften wie Eitelkeit, Ehrgeiz, Haß oder Neid benutzen, um unser Innenleben künstlich anzuregen. Die Stimulation findet wohl statt, jedoch erschöpfen sie die Kräfte der Seele, ohne ihr etwas Förderndes zu bringen. Und so, wie zu wenige Vitamine, Proteine oder Mineralstoffe in unserem Körper zu Mangelerscheinungen führen, entzieht ein Mangel an edlen und aufbauenden Gedanken unserer Seele die Grundlagen, die zu ihrer Entfaltung unentbehrlich sind.

Nehmen wir Nahrungsmittel zu uns, die toxinhaltig oder durch chemische Behandlung vergiftet sind, so belasten wir unser Körpermilieu; geben wir uns düsteren, hemmenden oder haßerfüllten Gedanken hin und handeln entsprechend, so verschlechtern wir unser Seelenmilieu!

Es gibt auch eine Parallele zur Überernährung: Ein Überkonsum von Nahrungsmitteln und Getränken überlastet und blockiert unseren Organismus, ebenso wie die Flut von Informationen, die sich durch die Medien (Radio, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften, Reklame, Internet …) über uns ergießt und unser Bewußtsein mit einer Unmenge an nicht verarbeiteten Eindrücken verstopft, zu einer regelrechten Vergiftung der Seele führt.

Ein flüchtiger Gedanke, der uns durch den Kopf geht und gleich wieder verschwindet, hat dabei einen weit geringeren Einfluß auf unser Seelenmilieu als immer wiederkehrende Gedanken oder Impulse. Letztere setzen sich viel nachhaltiger in uns fest und beeinflussen unsere Seele durch ihre Häufigkeit viel stärker. Das ist jedoch noch nicht alles! Eine wichtige Rolle spielt auch die Intensität, mit der wir etwas empfinden. Je tiefer ein Ereignis uns berührt, um so mehr prägen uns die Emotionen, Gefühle und Gedanken, die es auslöst. Die Freude, die wir empfinden, wenn wir einer großen Gefahr entkommen sind, wie auch der tiefe Schmerz, der uns erfüllt, wenn wir ein dramatisches Erlebnis hatten, prägen uns dauerhaft.

Alles beginnt im Kleinen

Solange unsere Seele unbelastet ist, verläuft unser Leben harmonisch, und die Lebensfreude bleibt trotz der kleinen alltäglichen Probleme bestehen. Wenn jedoch negative Gedanken und Empfindungen Eingang in unsere Seele finden, kommt es zu Reibungen mit unserer Umwelt. Diese führen zu Ärger, Aggressivität oder Verbitterung. Es sind die ersten Signale einer Verschlechterung unseres Seelenmilieus. Im Anfangsstadium ist es für den Betroffenen nicht schwer, sein inneres Gleichgewicht und die Harmonie mit seiner Umwelt wiederzufinden. Es genügt, Ordnung in sein Denken zu bringen und sich jedes störenden Gedankens zu enthalten. Kommt es jedoch nicht zu dieser Selbstbesinnung, so verschlechtert sich das Seelenmilieu weiter. Ab einem bestimmten Punkt reagieren wir heftig auf die geringsten Widerwärtigkeiten oder Probleme. Dieses Stadium entspricht auf körperlichem Gebiet dem der akuten Krankheiten. Der Toleranzspiegel ist überschritten, und die ausbrechenden Krisen bringen das, was sich tief in uns angehäuft hat, an den Tag. Die Heftigkeit dieser Krisen – die öfters in unserem Leben auftreten können – hilft uns zu erkennen, daß etwas in uns in Unordnung geraten ist.

Verschließen wir unsere Augen vor dieser Tatsache oder ändern wir unsere Lebenshaltung nicht, so geht es weiter bergab. Mit der Zeit wird es zur Gewohnheit: Konfliktsituationen werden nicht mehr als solche erkannt, sondern als unveränderliche Gegebenheit hingenommen. Der Betroffene resigniert. Diese "Seelenverschmutzung" wird zur Ursache zahlreicher innerer und äußerer Konflikte und chronischer Probleme. Der Mensch verändert sein Verhalten zunehmend, es kommt zur Bildung von Hängen oder Lastern.

Die degenerativen Krankheiten haben ein Pendant auf der Seelenebene: den Wahnsinn. Die Sicht der Realität ist völlig verzerrt, die Persönlichkeit hat sich verändert, der Selbstrespekt und das Bewußtsein von Gut und Böse sind verlorengegangen.

Voraussetzungen für seelische Gesundheit

Genauso wie es Gesetzmäßigkeiten gibt, welche zur Erhaltung der physischen Gesundheit respektiert werden müssen, gibt es auch Gesetze der psychischen Gesundheit. Wenn wir sie beachten, schaffen wir die Voraussetzung für Harmonie und Ausgeglichenheit unserer Seele. Dazu gehört alles, was uns dazu verhilft, uns zu vervollkommnen, unser Wesen zu verfeinern und zu veredeln und den Respekt uns selbst und unseren Nebenmenschen gegenüber zu fördern.

Wie die Toxine aus unserem Körper ausgeschieden werden können, können wir auch unsere Seele von den angehäuften Belastungen befreien. Dadurch lassen sich Störungen vermeiden, die andernfalls gesetzmäßig als Wechselwirkung auftreten würden. Anders als bei unserem physischen Körper kann die Entgiftung auf der seelischen Ebene nicht durch Anregung der Ausscheidungsorgane erfolgen. Der Impuls zur Reinigung muß von innen kommen, von der Seele selbst. Sie muß bereit sein, auf schädliche Gedanken und Empfindungen zu verzichten. Werden diese nicht weiter genährt, verlieren sie ihre Kraft und ihren Einfluß auf den Menschen. Dies ist jedoch noch längst nicht ausreichend, denn das Gute in uns entwickelt sich nicht nur, weil das Schlechte verschwindet. Destruktives muß durch Aufbauendes ersetzt werden.

Beim Körper genügt die Ausscheidung der Toxine nicht zur Regeneration des Körpermilieus. Ihm müssen Nährstoffe zugeführt werden, welche ihm bisher vorenthalten wurden. Auf seelischem Gebiet entspricht dies der Bereitschaft des Menschen, sich hilfreichen Kraftströmungen zu öffnen, und dem Streben nach der Entwicklung von fördernden Eigenschaften. Ungünstig ist es hingegen, sich auf seine Mängel und Fehler zu konzentrieren und sie dauernd zu analysieren, da ihnen dadurch ständig neue Kräfte zugeführt werden.

Ist das Milieu der Seele gesundet, so hat sie ihre Widerstandskraft gegenüber Angriffen von außen wiedererlangt. Genauso wie die aggressivsten Mikroben in einem gesunden Körpermilieu nicht überleben können, genausowenig können schädliche Einflüsse bei einem Menschen mit intaktem Seelenmilieu ihre Wirkung entfalten. Dies ist eine Folge des Gesetzes der Anziehung der Gleichart, welches bewirkt, daß sich Gegensätze abstoßen.

Versäumen wir es, unser Seelenmilieu bewußt zu verändern, so können erschütternde Ereignisse uns dazu veranlassen. Es ist wie auf der körperlichen Ebene: Hier können Krankheiten Auslöser für eine Änderung unserer Lebensgewohnheiten sein.

Nun ist aber die Entscheidung, sich zu ändern, noch nicht die Änderung selbst. Diese ist erst eine Folgeerscheinung der entsprechenden Bemühungen. Wir dürfen somit keine sofortigen Resultate erwarten! Wer denkt, daß sein gutes Wollen unverzüglich Wirkung zeigt, daß das Leben im Handumdrehen friedlich, harmonisch und schön wird, der irrt. Solche Hoffnungen entsprechen nicht der Realität. Alles, was ein Mensch in seinen Tiefen angehäuft hat, befindet sich immer noch in ihm. Er muß sich erst davon lösen, um befreit zu werden. Dieser Lösungs- oder Ausscheidungsprozeß dauert eine gewisse Zeit. Wie auf der körperlichen Ebene kann zunächst auch der Eindruck entstehen, daß sich die Situation verschlechtert, da die Probleme, die in tiefere Seelenschichten zurückgedrängt waren, plötzlich an die Oberfläche gelangen, um gelöst zu werden. Entgegen allem Anschein geht es jedoch bereits bergauf, weil eine gute Richtung eingeschlagen wurde, das Seelenmilieu nicht durch neue Schlacken belastet wird und sich dieses somit zu erneuern beginnt.

Unsere Zukunft, unser Schicksal – nichts ist Zufall!

Unsere Gedanken, unsere Entscheidungen und Handlungen hinterlassen also auf der Seelenebene ihre Spuren. Diese können lange unbemerkt bleiben und erst zu einem späteren Zeitpunkt spürbare Wirkung entfalten und unser Verhalten sowie – nach dem Gesetz der Anziehung der Gleichart – unsere Zukunft beeinflussen. Unsere Seele zieht das an, was mit ihr Gleichart hat. Wollen wir eine Situation, in der wir uns befinden, verändern, so hilft es nichts, die Situation verändern zu wollen. Das sicherste Mittel ist, uns selbst zu verändern. Denn sobald sich unser Inneres verändert, hat es auch mit der betreffenden Situation keine Gleichart mehr, es stößt sie sogar ab, oder anders ausgedrückt: es berührt sie nicht mehr.

Das Schicksal hat somit nichts mit Zufall zu tun. Es formt sich aus dem, was von uns ausgeht: unsere Gedanken, Wünsche und Handlungen. Der Schlüssel unseres Schicksals liegt in unserem freien Willen, denn durch ihn haben wir es selbst in der Hand, was von uns ausgeht – was wir "säen" – und was folglich – dem Gesetz der Wechselwirkung entsprechend – als Ernte auf uns zurückkommt. Saat und Ernte gibt es also nicht nur im Irdischen, sondern auch im seelischen Bereich, wobei auch hier die Ernte ein Vielfaches der Saat umfaßt.

Das Gesetz des Gleichgewichtes wirkt sich ebenfalls auf allen Ebenen aus. Im seelischen Bereich geht es dabei um den Ausgleich zwischen Geben und Nehmen: Das Ergebnis unserer Bemühungen ist immer abhängig von dem Maß unserer Anstrengungen. Von zwei Musikern mit gleichen Fähigkeiten wird derjenige, der täglich übt, viel bessere Ergebnisse erzielen als der, welcher nur hin und wieder seine Übungen macht. Genauso wird ein Mensch, der sich um einen respektvollen und freundlichen Umgang mit seinen Mitmenschen bemüht, ein viel harmonischeres Verhältnis zu seiner Umwelt haben als jemand, der sich in dieser Beziehung überhaupt nicht anstrengt.

Die Nichtbeachtung des Gesetzes des Gleichgewichtes in unseren mitmenschlichen Beziehungen führt zu zahlreichen Problemen. Ein Kind, das von seinen Eltern alles bekommt, ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen, wird sehr leicht zu einem verwöhnten und unglücklichen Kind. Daran gewöhnt, immer alles zu erhalten, ohne etwas dafür geben zu müssen, erwartet es gute Ergebnisse bei seinen Studien, ohne dafür die notwendigen Anstrengungen zu unternehmen. Später wird ein solcher Mensch vielleicht einen höheren Lohn für seine Arbeitsleistung erwarten, als ihm zusteht, und von der Gesellschaft mehr fordern, als er selbst zu geben fähig und bereit ist.

Das Gesetz der Bewegung bedingt, daß alles, was am Leben und gesund bleiben sowie sich weiterentwickeln will, dazu gezwungen ist, sich zu bewegen. Dies gilt für den Körper wie für die Seele. Unser Inneres kann sich nur weiterentwickeln, wenn es ständig in Bewegung, also aktiv ist. Für unser eigentliches Ich, unseren Geist, bedeutet Bewegung, daß er sich mit Dingen befaßt, welche seiner Art gemäß sind, also über das Irdisch-Materielle hinausgehen. Dazu gehört die Suche nach dem Sinn des Lebens und die Beschäftigung mit den großen Fragen wie: Woher kommen wir? Wozu sind wir auf der Erde? Wohin gehen wir nach unserem Tod? So wie unsere körperlichen Fähigkeiten unterschiedlich stark entwickelt sind, je nachdem, wie intensiv wir sie nutzen, so können wir auch über gut entwickelte geistige Fähigkeiten verfügen, wenn sie häufig genutzt wurden – oder der Geist in uns ist eingeschlafen und "verkümmert", weil wir ihn vernachlässigt haben.

Dies erklärt auch die Tatsache, daß für manche Menschen das immaterielle Ich sowie die Existenz jenseitiger Welten eine Selbstverständlichkeit ist, andere hingegen sehr viel Mühe haben, sich dies auch nur vorzustellen.

Das Gesetz der Wechselwirkung hat zur Folge, daß ein Mensch genau die Fähigkeiten besitzt, um deren Entfaltung er sich bemüht hat. Wer ein reges Innenleben hat, sich also nicht nur mit materiellen Dingen befaßt, der hat seine Geistesfähigkeiten entwickelt, die ihm dabei helfen, sein Schicksal auf viel bewußtere Weise zu gestalten.

Christopher Vasey