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Wie sich Krankheiten im Verborgenen vorbereiten

Oft liegen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zwischen dem Zeitpunkt oder der Lebensphase, wenn die Ursache für eine Krankheit geschaffen wird, und dem Ausbruch dieser Krankheit. So können bei Fünfzig- und Sechzigjährigen Beschwerden auftreten, die auf ungesunde Lebens- oder Ernährungsgewohnheiten, auf eine Vergiftung oder einen Unfall in der Jugend oder gar Kindheit zurückführen sind. Da liegt die Frage auf der Hand, wie diese alten Ursachen über einen so langen Zeitraum fortbestehen können. Ganz offensichtlich müssen sie irgendwo gespeichert sein, sonst könnten sie keine Spätwirkung entfalten, könnten nicht Auslöser für eine Krankheit sein, die sich erst Jahre danach manifestiert. Die "Aufzeichnung" all unseres Tuns, welches Einfluß auf unseren Organismus hat, erfolgt in unserem Körpermilieu.

Unser Körper merkt sich alles

Alles, was in unseren Organismus gelangt, hinterläßt auf irgendeine Weise eine Spur in unserem Körpermilieu. Jedes Nahrungsmittel, jedes Getränk, jedes Medikament, jede Impfung, jedes Gift, jede Droge und jede Mikrobe – kurz: alles, was unserem Körper zugeführt wird, drückt dem Körpermilieu seinen Stempel auf.

Selbstverständlich entfalten gewisse Substanzen eine nachhaltigere Wirkung als andere, je nachdem, wie häufig sie dem Körper zugeführt werden und wie markant ihre Eigenschaften sind. Der regelmäßige Verzehr von Käse hat zum Beispiel einen stärkeren Einfluß auf das Körpermilieu als der gelegentliche Genuß von Eiern. Andererseits hinterläßt eine Quecksilbervergiftung viel tiefere Spuren, als es irgendein Nahrungsmittel vermöchte. Die verschiedenen organischen Schwächen und die aus ihnen resultierenden Krankheiten sind ein weiterer Faktor, der die Zusammensetzung unseres Körpermilieus beeinflußt, da je nach Art des Leidens unterschiedliche Gifte produziert werden. Auch Hormonausscheidungen spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Je nach der Art der Beanspruchung, denen unsere Drüsen ausgesetzt sind, überwiegen bestimmte Ausscheidungen, die dann ihre Spuren im Körpermilieu hinterlassen.

Alles ist in Bewegung

Der Zustand des Körpermilieus beeinflußt immer den gesamten Organismus, da das Körpermilieu aus den Flüssigkeiten besteht, die ununterbrochen durch den Organismus kreisen. Auch geringste Spuren von Substanzen, die in unseren Körper gelangen, verbreiten sich somit relativ schnell im gesamten Körper. Dabei hat jede Körperflüssigkeit ihre eigene Geschwindigkeit: Das Blut kreist am schnellsten, die Lymphe und das Zellserum sind langsamer, es gibt jedoch nirgends Stillstand.

Entsprechend dem Gesetz der Bewegung findet ständig ein Austausch zwischen den Körperflüssigkeiten statt. Zum einen passieren die vom Blut transportierten Stoffe die Gefäßwände und landen in der Lymphe oder dem Zellserum, zum anderen vermischen sich teilweise auch die verschiedenen Flüssigkeiten, indem sie die Wände, die sie voneinander trennen, durchqueren. Ein Teil des Blutplasmas kann sich so zum Beispiel leicht außerhalb der Blutgefäße verteilen und in die Zellen eindringen. Andererseits kann ein Teil des Zellserums in die Blutzirkulation gelangen, um das Blutvolumen zu erhöhen. Dieselben Möglichkeiten bestehen auch für die Lymphe, wobei die verschiedenen Flüssigkeiten stark voneinander abhängig sind: Was der einen geschieht, hat fast unmittelbar Einfluß auf die andere.

Wenn zum Beispiel ein Gift in den Blutkreislauf gelangt, verläßt es nach kurzer Zeit die Blutbahn, dringt über die Lymphe oder das Zellserum in die Tiefen der Gewebe ein und verbreitet sich nicht nur in einem bestimmten Bereich, sondern im ganzen Körper. Übrigens ist die Wirkung von Medikamenten genau auf diesen Ausbreitungsprozeß zurückzuführen. Auch wenn medikamentöse Substanzen nur für ein bestimmtes Organ vorgesehen sind, können diese weder direkt noch ausschließlich zu dem kranken Organ gelangen. Die Substanzen verteilen sich im gesamten Körpermilieu, und so kann letztlich auch das Organ davon profitieren, für das sie bestimmt sind. Die organischen Flüssigkeiten befinden sich also nicht getrennt voneinander in einem statischen Gleichgewicht, sondern stehen in fortwährendem Austausch miteinander.

Was zuviel ist, ist zuviel!

Die Aufnahme von Toxinen bzw. Giften und die daraus resultierende Anreicherung des Körpermilieus mit diesen Substanzen – als Ursache für künftige Krankheiten – vollziehen sich von uns unbemerkt im Verborgenen. Kleine Mengen von Stoffwechselrückständen im Körpermilieu gehören zum normalen Funktionieren des Organismus. Von den Zellen ausgeschieden, werden diese Toxine zu den Ausscheidungsorganen – Nieren, Darm, Haut, Lunge und Leber – transportiert. Diese filtern sie zuerst aus dem Blut heraus, um sie dann – im Urin, Kot, Schweiß usw. – auszuscheiden. Bei gesunder Lebensweise ist die Bildung von Toxinen geringer als die Filtrierungsfähigkeit der Ausscheidungsorgane. So werden die Toxine fortlaufend ausgeschieden und sammeln sich nicht in den Geweben an.

Anders sieht es jedoch aus, wenn der Lebensstil die physiologischen Gegebenheiten – und damit die Gesetze der Gesundheit – nicht respektiert und die Schlackenproduktion die Möglichkeiten der Ausscheidungsorgane übersteigt. Die Toxine bleiben dann im Blut und verändern seine Zusammensetzung. Der Organismus bemüht sich, die überschüssigen Schlacken aus dem Blut zu entfernen, und zwar nicht in die bereits überlasteten Ausscheidungsorgane, sondern in die extrazellulären Seren.

Solange keine Änderung des Lebensstils erfolgt, welche die Produktion von Toxinen unterbrechen würde, nimmt ein großer Teil der Toxine den Weg zu dieser Notlösung, was dem Blut ermöglicht, eine ungefähr angemessene Zusammensetzung zu behalten. Als Folge davon "baden" die Gewebe in einem immer mehr belasteten Milieu, und schließlich gelangen die Toxine bis ins Zellinnere. Sie setzen sich in den Tiefen der Gewebe fest, häufen sich an und bilden große Ablagerungen, so daß sie nicht mehr ohne weiteres ausgeschieden werden können. Dazu müssen diese Depots erst wieder in kleinere Teile aufgespaltet werden, bevor sie aus den Tiefen der Gewebe erneut zum extrazellulären Serum und dann zum Blut aufsteigen können, um anschließend zu den Ausscheidungsorganen befördert zu werden.

Die Auslagerung der Toxine vollzieht sich im Verborgenen, aber auf ganz natürliche Weise: Die zuletzt ausgelagerten Toxine legen sich auf die ihnen vorausgegangenen, welche ihrerseits die noch älteren bedecken. So bilden sich nach und nach Schichten, vergleichbar den geologischen Sedimenten.

Je mehr sich die Schlacken anhäufen, um so schwerwiegender sind die Konsequenzen für die Gesundheit, da die Zellen mehr und mehr in den Abfallstoffen ersticken, was ihr normales Funktionieren behindert. Diese Anhäufung von Toxinen hinterläßt deutliche Spuren: Die daraus resultierende Verschlechterung des Körpermilieus manifestiert sich auffallend in Form von Krankheiten. Solange die Konzentration der Toxine gering ist, sind die Krankheiten leicht und harmlos, erhöht sich die Menge der Schlacken, werden sie jedoch schwerer und ernster.

Erste "Alarmsignale"

Chronologisch gesehen ist der Vorgang wie folgt: Die ersten auftretenden Beschwerden sind Momente leichten Unwohlseins wie Müdigkeit, Mangel an Lebensenergie, leichte Hautprobleme, Kopfschmerzen, erhöhte Nervosität, weniger guter Schlaf usw. Es sind die ersten Anzeichen der sich in den Tiefen der Geweben vollziehenden Verschlackung des Körpermilieus. Sie müssen als erste "Alarmsignale" betrachtet werden. Werden diese Signale als solche verstanden und die Produktion von Abfallstoffen infolge einer Umstellung der Lebensgewohnheiten reduziert, so kommt bald alles wieder in Ordnung, denn die kleinen Überschüsse von Toxinen werden schnell ausgeschieden. Ohne Umstellung der Lebens- und Ernährungsweise verschlechtert sich das Körpermilieu weiter. Toxine häufen sich an, bis die Arbeit der Organe massiv behindert und die Gewebe geschädigt werde.

Heilsame Krisen

Wird die Toleranzschwelle überschritten, reagiert der Organismus auf die ihn überschwemmenden Gifte, indem er alle Stoffwechselvorgänge intensiviert, um so die Schlacken zu neutralisieren, zu verbrennen und auszuscheiden. Die normale Folge davon sind Fieber und erhöhte Ausscheidungen: Durchfall, trüber Urin, Husten, starkes Schwitzen. Im Gegensatz zu den ersten Alarmsignalen sind diese Krisen heftig. Sie betreffen mehrere Ausscheidungsorgane, sind allerdings nur von kurzer Dauer. Bei Auftreten dieser Symptome spricht man von "akuten Krankheiten", doch sind es im Grunde "Reinigungskrisen", die vom Organismus als Schutz vor Vergiftung selbst ausgelöst wurden. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung der Gesundheit, weshalb sie auch als "Heilkrisen" bezeichnet werden. Ihr Auftreten gibt dem Kranken die Gelegenheit zu begreifen, daß jedes Fehlverhalten Folgen hat. Wenn die Belastungen ein bestimmtes Maß überschritten haben, greift der Organismus zu einem Notprogramm, um sich selbst wieder in Ordnung zu bringen. Nach einer solchen Krise ist mit dem Körpermilieu auch der Allgemeinzustand verbessert. Ob er es bleibt, liegt nur an der betroffenen Person und daran, inwieweit ihr der Zusammenhang zwischen ihrer Lebensweise und dem Zustand ihres Körpermilieus bewußt geworden ist.

Fehlt dieses Bewußtsein oder – was auf dasselbe herauskommt – erfolgt keine Korrektur der Lebensweise, so häufen sich die Abfallstoffe weiter an, von Zeit zu Zeit unterbrochen durch akute Reinigungskrisen. Mit der Zeit lassen die Reaktionskräfte des Körpers nach, vor allem auch deshalb, weil die auszuscheidende Schlackenmenge immer größer wird. Wird es Zeit für eine weitere Reinigungskrise, ist der Organismus nicht mehr in der Lage, eine ausreichend heftige und umfassende Krise auszulösen. Seine Bemühungen zeigen sich nur schwach und auch nur an einem Organ. Da die Krisen nicht ausreichen, um den Überschuß an Schlacken auf einmal auszuscheiden, müssen sich die Reinigungsbemühungen des Organismus wiederholen. Diese "chronischen" Bemühungen um Wiederherstellung eines gesunden Körpermilieus sind ein Symptom für chronische Krankheiten. Ein Merkmal chronischer Krankheiten ist ja gerade die Wiederholung der Krisen, wobei die Krisen von geringerer Intensität und auf einen bestimmten Teil des Körpers beschränkt sind.

Zunächst sind die chronischen Krankheiten vorwiegend funktioneller Natur. Mit der Zeit kommt es jedoch zu Schädigungen der Organsubstanz, deren Wirkungsweise dadurch massiv beeinträchtigt wird, was wiederum eine Verschlechterung des Körpermilieus beschleunigt. Langsam, aber unausbleiblich erfassen die Toxine die Gewebe, vergiften, beschädigen und zerstören sie.

Das nächste Stadium ist das der degenerativen Krankheiten. Die Reaktionskräfte sind fast erschöpft, befreiende Reinigungskrisen sind nicht mehr möglich. Der Organismus, der buchstäblich unter der Last seiner eigenen Abfallstoffe erstickt, desorganisiert sich völlig. Nun erscheinen degenerative Krankheiten wie Krebs, chronische Polyarthritis, Multiple Sklerose … Bis zum Stadium der degenerativen Krankheiten ist es ein sehr langer Weg – es sei denn, daß erbliche Veranlagungen den Prozeß beschleunigen –, denn für diese Erkrankungen ist Voraussetzung, daß wir über längere Zeit immer wieder dasselbe Fehlverhalten praktizieren, bis sich die Folgen so summieren, daß sie sich auf derart dramatische Weise zeigen können. Hierher paßt das Sprichwort: "Kleine Ursachen, große Auswirkungen".

Eine Umkehr ist jederzeit möglich!

Wenn eine Krankheit ausbricht, ist der ihr zu Grunde liegende Prozeß in den Tiefen des Körpers schon lange im Gange. Oft setzt der Kranke der Entwicklung des Übels keinen Widerstand entgegen, weil er die Krankheiten, die ihn während seines Lebens treffen, nur für Störungen und nicht für Warnungen hält und das Zurückdrängen der Toxine in die Tiefen der Gewebe durch symptombekämpfende Mittel als akzeptable Therapie betrachtet. Bei Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen steigt allerdings tendenziell die Bereitschaft zum Umdenken.

Glücklicherweise besteht die Möglichkeit zur Umkehr: Sie besteht einerseits darin, die Fehler, die zur Verschlechterung des Milieus geführt haben, nicht mehr zu begehen und andererseits die Ausscheidung der angehäuften Toxine durch Diät oder Fasten, reinigende Pflanzenkuren und Korrektur der Lebenshygiene zu begünstigen. Dank der wunderbaren Regenerationsfähigkeit des Körpers kann diese schrittweise Beseitigung der krankmachenden Ursachen zur völligen Wiederherstellung der Gesundheit führen, sofern die Schädigungen nicht zu zahlreich oder zu tiefgreifend waren. Hat das Körpermilieu seine normale Zusammensetzung wiedererlangt, so kann keine Krankheit mehr auftreten, da es dafür – dem Gesetz der Wechselwirkung entsprechend – keinen Anlaß mehr gibt. Die Grundlage, auf der sie sich hätte entwickeln können, existiert nicht mehr! Alte Fehler sind ausgeglichen und die Schlacken beseitigt. Sogar exogene Krankheitsursachen wie bakterielle Infektionen können sich nur schwerlich festsetzen, da ein gesundes Körpermilieu Angriffen widersteht.

Die Erneuerung des Körpermilieus besteht allerdings nicht nur darin, Ungutes aufzugeben. Die Regeneration erfordert auch "gute Dinge", das heißt Nährstoffe, Sauerstoff, Bewegung an der frischen Luft und naturbelassene Nahrungsmittel – alles Dinge, die zu einem gesunden Leben gehören.

Wenn man sich zur Korrektur seines Körpermilieus entschließt, ist es notwendig, jeden Fehler durch entgegengesetzte Maßnahmen zu kompensieren, da sich gemäß dem Gesetz des Gleichgewichtes das Ergebnis in proportionalem Verhältnis zu den ergriffenen Maßnahmen steht. Die Heilung folgt somit nicht unmittelbar auf den Entschluß zur Besserung! Zuerst müssen alle Toxine ausgeschieden werden, die irgendwann in den Körper eingedrungen sind und sich noch in ihm befinden, und zwar auf dem umgekehrten Weg, auf dem sie in ihn eingedrungen sind. Es gibt kein Heilmittel, welches alle Toxine auf einmal verschwinden lassen kann. Die Ausscheidung der Toxine aus dem Organismus ist ein langwieriger Prozeß. Um die Gewebe, in denen sie sich eingenistet haben, zu verlassen, müssen die Toxine zuerst die Zellen verlassen, dann von den Seren oder der Lymphe bis zum Blut und von dort zu den Ausscheidungsorganen befördert werden. Dies nimmt naturgemäß Zeit in Anspruch.

Durchhalten führt zum Ziel!

Der Beginn der Kur ist der schwerste Teil, denn der Körper, der endlich in seinen Ausscheidungsbemühungen durch therapeutische Maßnahmen unterstützt wird, läßt manchmal Toxine in massiver Weise zum Blut aufsteigen. Dies führt zu einem allgemeinen Unwohlsein, Kopfschmerzen, Übelkeit, zum Wiederaufleben alter Beschwerden usw. Daher ist manch einer versucht, die Reinigungskur unter dem Vorwand aufzugeben, daß alles nur viel schlimmer geworden sei als vor der Kur. In Wirklichkeit befindet sich der Patient jedoch auf dem Wege der Besserung, da die Schlacken zurückgehen. Die Beschwerden sind nur die unvermeidliche Konsequenz aus dem Rückfluß der Toxine ins Blut.

Ein anderer Grund, weshalb gewisse Menschen versucht sind, die Lebensumstellung aufzugeben, besteht darin, daß sie viel heftiger auf "Ausnahmen" reagieren als vorher. So führt eine zu reiche Mahlzeit schneller zu Verdauungsproblemen, zu starker Alkoholkonsum löst rascher Kopfschmerzen aus. Sie fühlen sich verletzbar, sensibler als vorher und denken, daß sie in die falsche Richtung gegangen sind. Dies ist jedoch nicht der Fall: Im Gegenteil, sie erfreuen sich einer besseren Gesundheit! Ihre Reaktionskräfte sind viel größer als zu der Zeit, da ihr Körpermilieu völlig verschlackt war. Diese Kräfte warnen sofort vor Schädlichem, damit es gemieden werden kann.

Die Devise heißt also: Nur wer durchhält, kann sein Ziel erreichen!

Christopher Vasey

Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft