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Weshalb wir Krankheiten selbst
zu verantworten haben

Heutzutage spielt in unserer Vorstellung von der Krankheitsentstehung der Zufall eine so große Rolle, daß für Eigenverantwortung kaum noch Platz zu sein scheint. Als Krankheitsursachen werden zum Beispiel bakterielle Infektionen, Mangel an Enzymen, Schwäche der Drüsenfunktion usw. erkannt, jedoch werden diese Ursachen vom Kranken als etwas betrachtet, das außerhalb und unabhängig von ihm existiert. So glaubt er, ohne weiter darüber nachzudenken, er habe mit den Ursachen nichts zu tun, er könne "nichts dafür", daß er krank wurde, und er fragt sich: Warum muß es ausgerechnet mich treffen? Diese Frage ist gewöhnlich nicht der Anlaß für eine ernsthafte Suche nach den möglichen Ursachen, sondern eher ein Vorwurf an das "blinde Schicksal", das ihn niederdrückt. Sind Kranke nun für ihre Leiden verantwortlich oder nicht?

Die Verschlechterung des Körpermilieus ist als die eigentliche Ursache von Krankheiten zu betrachten und nicht – wie allgemein angenommen – zum Beispiel Mikroben, Kälte oder andere auslösende Faktoren. Das Körpermilieu verschlechtert sich jedoch nicht zufälligerweise, sondern es gibt Ursachen dafür.

Was belastet unser Körpermilieu?

Die Hauptursache für die Verschlechterung des Körpermilieus ist eine Anhäufung von Toxinen, also von Abfallprodukten des Stoffwechsels – Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin –, welche aus der Verarbeitung der Proteine entstehen: das Cholesterin und die ungesättigten Fettsäuren aus den Fetten, die verschiedenen Säuren, zum Beispiel aus dem Abbau des Industriezuckers.

Toxine können sich einerseits infolge einer erhöhten Abfallproduktion ansammeln oder durch Spasmen, welche die normale Tätigkeit der Ausscheidungsorgane behindern. Hinzu kommen die Schadstoffe, welche den Nahrungsmitteln beigefügt werden, wie zum Beispiel Antioxidations- und Konservierungsmittel, Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Stabilisatoren. Auch die in Luft und Boden enthaltenen Giftstoffe sowie chemische Dünger gelangen mit den Nahrungsmitteln in unseren Körper, ebenso andere schädliche Stoffe wie Kaffee, Tabak, Alkohol, zahlreiche Medikamente und Impfstoffe. Die meisten Toxine stammen somit aus unserer Nahrung.

Die zweitgrößte Ursache für die Verschlechterung unseres Körpermilieus ist ein Mangel an unentbehrlichen – essentiellen – Nährstoffen. Mängel treten durch unzureichende Verwertung oder durch übermäßige Verbrennung gewisser Nährstoffe auf. Mangelkrankheiten sind auf dem Vormarsch und beschränken sich nicht, wie man früher annahm, auf einige typische Krankheiten wie Skorbut (Vitamin C-Mangel) oder Beriberi (Vitamin B-Mangel). Die moderne Forschung bestätigt, daß jeder dem Organismus fehlende Nährstoff eine Reihe von Beschwerden auslöst und daß schwere Krankheiten wie Krebs oder Multiple Sklerose zu einem großen Teil durch das Fehlen ganz bestimmter Vitamine und Mineralstoffe bedingt sind. Somit ist auch diese Krankheitsursache vorwiegend ernährungsbedingt.

Neben der Anhäufung von Toxinen und dem Nährstoffmangel gibt es eine weitere Ursache für die Verschlechterung des Körpermilieus: Funktionsstörungen bei den Organen, die in der Regel nervösen oder hormonalen Ursprungs sind. Unser Nerven- und unser Hormonsystem sind für eine harmonische Tätigkeit unserer Organe zuständig, sie wachen also darüber, daß kein Organ zu langsam oder zu schnell arbeitet oder sich gar auf unkontrollierte Weise zwischen beiden Extremen bewegt. Beide Systeme werden stark von unseren Stimmungen, von Streß, Sorgen usw. beeinflußt, wie Forschungen auf dem Gebiet der psychosomatischen Medizin gezeigt haben. Die drei Faktoren, die den Organismus schädigen und den Boden für den Ausbruch von Krankheiten bereiten, sind also die Belastung durch Toxine, der Mangel an Nährstoffen und organische Störungen.

Ist unser Körper an allem schuld

Sind mit den genannten Faktoren auch die verantwortlichen Übeltäter gefunden? Sind es die Nahrungsmittel selbst? Die Genußmittel? Drogen? Medikamente? Nein! Der Körper? Auch nicht! Weder die Nahrungsmittel noch der Körper können als verantwortlich angesehen werden, da sie nicht in der Lage sind, eine Entscheidung zu treffen. Wer selbst nichts entschieden hat, kann auch nicht verantwortlich gemacht werden. Verantwortung ist nicht zu trennen von Entschlußfähigkeit.

Der Körper und seine Organe arbeiten auf eine vorherbestimmte Weise: Das Herz schlägt, die Nieren filtern das Blut, der Verdauungstrakt schließt die aufgenommene Nahrung auf, die Drüsen scheiden aus, die Nerven übermitteln Reize usw. Der Körper kann nicht entscheiden, anders als vorgesehen zu funktionieren. So kann das Immunsystem beispielsweise nicht beschließen zu streiken, noch die Lungen, keinen Sauerstoff aufzunehmen, oder das Blut, nicht mehr zu kreisen.

Zudem ist der Körper ganz auf die Erhaltung des Lebens und der Gesundheit eingestellt, nicht auf dessen Zerstörung. Er ist es, der uns sagt, wovor wir uns hüten müssen (Abneigung gegen gewisse Nahrungsmittel), was wir essen sollten (Appetit auf bestimmte Speisen), wann dies angezeigt ist (Hunger) und wann wir aufhören sollten (Sättigung). Der Körper kann die verschiedenen Abläufe dirigieren, synchronisieren und harmonisieren. Er vermag gegen Angreifer (Mikroben, Gifte) anzukämpfen und sich nach einer Verletzung zu "reparieren". Wenn Schlacken die Zellen zu ersticken drohen, löst der Körper sogenannte "Ausscheidungskrisen" aus, die den Organismus befreien (Schnupfen, Husten, Erbrechen, Durchfall, Schwitzen usw.). Wenn Nährstoffmangel das Gleichgewicht des Körpers gefährdet, löst er Gelüste nach bestimmten Nahrungsmitteln aus. Braucht er Ruhe, so sorgt er für Müdigkeit.

Funktioniert der Körper schlecht, so nicht deshalb, weil er mangelhaft gebaut wäre oder ihm die innere Logik fehlen würde. In diesem Fall hätte er sich schon längst selbst zerstört. Er hat auch keine falschen Entscheidungen getroffen, sondern er wurde immer wieder in Situationen gebracht, die ihn daran hindern, seine Arbeit normal zu tun: Mangel an Ruhezeit, Überlastung des Verdauungs- und des Nervensystems, langsame Vergiftung durch Tabak, Alkohol, Medikamente oder Drogen, ungenügende Bewegung, zu große Nervenanspannung, mangelhafte Ernährung, ein unnatürlicher Lebensrhythmus – alles Dinge, welche von … uns abhängen!

Den Tatsachen ins Auge blicken!

Wir entscheiden uns für eine Überernährung, für ungenügende Bewegung. Wir regen uns mit Tabak an, ertränken unsere Sorgen in Alkohol, nehmen Reizmittel ein, anstatt uns auszuruhen, wir raffinieren unsere Nahrungsmittel und denaturieren sie mit Zusatzstoffen, wir vergiften unsere Kulturen mit gefährlichen Pestiziden, verschmutzen die Luft, welche wir einatmen, pflegen uns mit Substanzen, die für die unsere Gesundheit ungünstig sind, anstatt auf natürliche Methoden zurückzugreifen.

Wir entscheiden, wie wir mit unserem Körper umgehen, und somit trifft auch uns die Verantwortung für die Verschlechterung unseres Körpermilieus sowie das Auftreten von Krankheiten. Wir sind nicht die Opfer äußerer Umstände, sondern die Urheber unserer Übel; wir sind keine passiven Zuschauer, sondern aktiv Mitwirkende bei dem Entstehen von Krankheiten.

Diese Ansicht mögen viele noch relativ gut akzeptieren können, wenn es um Krankheiten wie Magengeschwüre, Ekzeme oder Rheumatismus geht, doch wie verhält es sich bei den infektiösen Erkrankungen während einer Epidemie? Sind sie nicht ein typisches Beispiel für Krankheiten, die durch Zufall ausgelöst wurden und für die wir nicht verantwortlich sind?

Früher ging man von dieser Vorstellung aus und versuchte derartige Krankheiten durch alle möglichen Mittel – Tragen von Talismanen, Anrufungen, Opferbringen usw. – abzuwehren. Das Wissen um die Existenz des Körpermilieus jedoch zeigt, daß der Zufall auch hierbei nicht beteiligt ist.

"Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles"

Wenn bei infektiösen Krankheiten die Hauptrolle den Mikroben zufallen würde, so gäbe es schon lange keinen einzigen Menschen mehr auf dem Erdball! Die zahlreichen tödlichen Epidemien wie Cholera, Pest und Grippe, welche sich zu verschiedenen Zeiten ausbreiteten, waren mörderisch genug, um die ganze Menschheit zu vernichten. Allerdings erkrankte und starb bei solchen Epidemien jeweils nur ein Teil der Bevölkerung. Dies konnten zwar durchaus bis zu zwei Drittel der Bevölkerung sein, dennoch blieb immer ein Teil der Menschen verschont. Es war nun nicht generell so, daß diese Personen sich nicht ansteckten, doch ihr Organismus gab den Mikroben keine Chance, sich zu vermehren und Schaden zu verursachen – er war ganz einfach nicht empfänglich für die Infektion, da er keine günstigen Bedingungen für die Mikroben bot.

Diese Abwehrkraft gegenüber Infektionen ist durch die Qualität des Körpermilieus bedingt. "Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles", lautet der berühmt gewordene Ausspruch von Claude Bernard, dem Begründer der modernen Physiologie (1813–1878). Infektionskrankheiten sind demnach abhängig von der Empfänglichkeit des Körpermilieus, dessen Beschaffenheit, wie wir gesehen haben, wiederum von uns abhängig ist. Es liegt also allein in unserer Verantwortung, ob wir mit einer infektiösen Krankheit angesteckt werden können oder nicht.

Wie frei ist unser Wille?

Die Behauptung, daß der Mensch für das, was ihn trifft, selbst verantwortlich ist, wird jedoch von manchen heftig bestritten. Ihrer Meinung nach hat der Mensch keinen freien Willen, er kann sich nicht frei für oder gegen etwas entscheiden. Diese Freiheit ist in der Tat eine notwendige Voraussetzung, da wir selbstverständlich nur für etwas verantwortlich gemacht werden können, zu dem wir uns selbst und aus freien Stücken entschieden haben. Wird uns eine Entscheidung von außen aufgedrängt oder ist sie in irgendeiner Weise beeinflußt, so ist sie auch nicht frei, und daher können wir nicht im vollen Umfang für sie verantwortlich sein.

Gibt es nun nicht vielerlei soziale, wirtschaftliche, kulturelle, berufliche oder familiäre Beeinflussungen, die mit darüber bestimmen, wie wir leben und uns ernähren und damit letztlich auch, wie es um unser Körpermilieu bestellt ist?

Und gibt es nicht ebenfalls verschiedene Temperamente oder physiologische Grundvoraussetzungen, das heißt verschiedene Arten von Körpermilieu, welche auch im gesunden Zustand nicht in gleicher Weise empfänglich bzw. resistent gegenüber Mikroben und Krankheiten sind?

Diese unterschiedliche Empfänglichkeit, die ein bestimmtes Milieu für gewisse Mikroben anfälliger macht als ein anderes, ist nicht die Folge einer erworbenen, sondern einer schon vorhandenen Schwäche, die nicht aus Entscheidungen der betreffenden Person resultiert, sondern von den Eltern vererbt wurde. Kann man auch in einem solchen Fall von Verantwortung sprechen, da wir unsere Temperamente oder auch die physiologischen Gegebenheiten nicht frei wählen konnten? Hier stellt sich nun die Frage, welchen Einfluß Erbkrankheiten haben und welche Rolle in diesem Zusammenhang das Schicksal spielt: Entweder sind wir selbst "unseres Glückes Schmied", bestimmen also durch unser Tun und Lassen, was wechselwirkend auf uns zurückkommen wird – dies hätte zur Folge, daß es kein "blindes" Schicksal gibt – oder die Ereignisse vollziehen sich auf eine vorherbestimmte Weise oder unterliegen gar dem Zufall – in diesem Fall träfe uns keine Verantwortung. Zur Klärung dieser Frage ist es deshalb unabdingbar herauszufinden, ob der Mensch über einen freien Willen verfügt und – falls einiges dafür spricht – wie er beschaffen ist.

In unserem Leben treffen wir ständig Entscheidungen, die unseren Alltag prägen. Dies vermittelt uns den Eindruck, daß wir unser Leben selbst bestimmen können. Blicken wir jedoch einmal auf unser bisheriges Leben zurück, relativiert sich dieser Eindruck sehr schnell. Zwar gibt es bestimmte Ereignisse, die sich in dem von uns gewünschten Sinne vollzogen, aber es gab auch so manche schmerzliche Erfahrung, die wir uns gerne erspart hätten! Wie viele Momente unseres Lebens waren genau das Gegenteil von dem, was wir uns gewünscht oder was wir geplant hatten! Während wir manches ganz gut meistern, sehen wir uns in anderen Bereichen eher als Opfer oder als Spielball der Ereignisse.

Was hat unser Gehirn mit dem freien Willen zu tun?

Für die Mehrheit der Menschen besteht kein Zweifel daran, daß sich das Zentrum unseres Willens und unserer Entschlüsse im Gehirn befindet. Bei genauerer Betrachtung der Funktionsweise unserer intellektuellen Fähigkeiten wird jedoch eines klar: Das Gehirn kann nicht der Sitz des freien Willens sein, da es eindeutig beeinflußt ist und somit keine unabhängigen, eigenständigen Entscheidungen treffen kann.

Zu Beginn unseres Lebens gleicht unser Gehirn einem unbeschriebenen Blatt. Es ist ein neues Werkzeug, welches im Laufe des Lebens über unsere fünf Sinne mit Informationen gespeist wird. Diese werden im Gedächtnis aufbewahrt, und der Intellekt kann sie verarbeiten, indem er sie miteinander verbindet. Wie der Computer kann auch das Gehirn nur die Informationen, die es erhält, ordnen, sichten und kombinieren. Von sich aus ist es nicht in der Lage, eine völlig neue Information zu erzeugen, die nicht aus bereits vorhandenen Elementen resultiert.

Diese im Gehirn gespeicherten Informationen sind logischerweise von Mensch zu Mensch verschieden und abhängig von seiner Erziehung, seiner Nationalität, den Schulen, die er besucht hat, dem Beruf, den er ausübt, den Zeitungen, die er liest, den Radio- oder Fernsehsendungen, die er verfolgt, der Werbung, welche ihm begegnet, seinen Freunden, der politischen Partei, welcher er angehört, und so weiter.

Diese Beispiele zeigen, daß das Gehirn nicht fähig ist, eine unbeeinflußte Entscheidung zu treffen, da alle Überlegungen geprägt und beeinflußt sind von Vorstellungen und Ansichten, welche von außen kommen. Um eine vollkommen freie Entscheidung treffen zu können, muß dasjenige, von dem die Entscheidung ausgeht, in der Lage sein, sich an Kriterien und Werten zu orientieren, die unabhängig von körperlichen Einflüssen und auch von bisherigen Erlebnissen sind. Das Gehirn wird diesen Anforderungen nicht gerecht.

Ein weiterer Grund, weshalb das Gehirn nicht der Sitz des freien Willens sein kann, ist die Tatsache, daß seine Tätigkeit von unserem Gesundheitszustand abhängig ist, von unserer Ernährungsweise, den Medikamenten, die wir einnehmen, dem Streß, der Jahreszeit – um nur einige allgemein anerkannte Faktoren zu nennen. Es gibt aber noch andere Einflüsse, welche oftmals angezweifelt werden, wie zum Beispiel den Einfluß der Sterne.

Wenn das Gehirn also nicht der Sitz des freien Willens sein kann, wo läßt er sich dann lokalisieren? Ein anderes Organ kommt dafür nicht in Frage, da es im Körper kein Organ gibt, welches vollkommener und edler ist als das Gehirn. Wir müssen den freien Willen also anderswo suchen, dürfen uns dabei jedoch nicht auf die materialistische Ebene beschränken, wie der moderne Mensch dies gewöhnlich tut.

Ein notwendiger Blick in eine andere Dimension

Nun gibt es einen Bestandteil unserer Persönlichkeit, der nicht materiell ist und den wir schon lange kennen. Sowohl die großen Religionen als auch alte medizinische Schriften, wie beispielsweise von Hippokrates, sprechen davon. Dieser Bestandteil – oft als "Seele" bezeichnet – ist der Geist des Menschen. Der Geist, welcher aus dem geistigen Reich – dem Paradies – stammt, ist nicht von gleicher Art wie der physische Körper; er ist aus der Art des Geistes geschaffen, während der physische Körper aus irdischer Materie besteht. Da es einen großen Artunterschied zwischen der geistigen und der irdischen Welt gibt, muß sich der Geist während seines Erdenaufenthaltes mit einem "Kleid", einem stofflichen Körper umhüllen, der aus dieser irdischen Welt stammt, ihm als Werkzeug dient und es ihm ermöglicht, mit seiner Umwelt Kontakt aufzunehmen und in ihr zu wirken. So inkarniert der Geist in einen physischen Körper, er ist jedoch nicht mit dem Körper und auch nicht mit dem Gehirn identisch.

Bedingt durch seinen Ursprung bleibt der Geist frei von jeder soziokulturellen Beeinflussung, der das Gehirn unterliegt. Er vermag somit unbeeinflußte, also wirklich freie Entscheidungen zu treffen. Der freie Wille ist demnach im immateriellen Geist des Menschen verankert.

Entscheidungsfreiheit bei Mensch und Tier?

Die Tragweite der dem Menschen gegebenen Entscheidungsfreiheit ist leichter zu erfassen, wenn wir im Vergleich dazu die Tiere betrachten: Diese besitzen ebenfalls einen belebenden immateriellen Kern – die Tierseele –, jedoch verfügen sie nicht über einen freien Willen. Beim Tier ist jede Handlung immer eine Reaktion auf ein aus der Umwelt oder dem Körper kommendes Stimulus, beim Menschen kann sie auch das Ergebnis eines tieferen Wünschens sein. Tiere entwickeln sich, weil ihre Umwelt sie dazu drängt, der Mensch hingegen kann sich auch entwickeln, weil er es wünscht – unabhängig von seiner Umwelt und oft auch dieser entgegengerichtet.

Das Verhalten der Tiere ist angeboren. Die Art, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren, liegt in ihrem Wesen begründet. Zwar gibt es verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf ein bestimmtes Ereignis, doch die Wahl kann nur innerhalb der für ihre Art spezifischen Reaktionsweisen erfolgen. Ein Hund kann einen Feind beißen oder vor ihm fliehen, er wird ihn jedoch nicht mit seinem Kopf rammen, wie dies eine Ziege oder ein Widder tun würde. Löwen sind Fleischfresser, befinden sie sich jedoch in Gefangenschaft, so ist es möglich, sie nach und nach auf eine vegetarische Ernährung aus Getreide und Gemüse umzustellen. Von sich aus können sie sich indes nicht dazu entscheiden. Weil der Mensch über einen freien Willen verfügt, kann er seine Ernährungsweise völlig umstellen und sogar eine ganz ungeeignete, naturwidrige Diät wählen, unabhängig davon, ob es gut für ihn ist oder nicht. Allerdings ist er für die unheilvollen Folgen dieser unnatürlichen Ernährungsweise verantwortlich, da er sich aus freien Stücken für sie entschieden hat, im Gegensatz zum Löwen, dem sie aufgezwungen wurde.

Die Fähigkeit, einen absolut freien Entschluß zu fassen, ist eine der notwendigen Voraussetzungen für eine persönliche Verantwortung. Eine weitere Voraussetzung besteht darin, daß der Betroffene die Möglichkeit hat, sich der Folgen seines Tuns bewußt zu werden. Da Tiere weder frei entscheiden, noch die Konsequenzen ihres Verhaltens vorhersehen können, kann man sie auch nicht für ihr Tun verantwortlich machen.

Wo bleibt der Zufall?

Freier Wille und Zufall sind zwei Dinge, die nicht zusammenpassen. Der Zufall, wie er von vielen gesehen wird, ist dafür "verantwortlich", daß Dinge sich völlig unvorhersehbar vollziehen. Sie erscheinen und verschwinden ohne Grund und entbehren jeder Logik. Würde der Zufall die Geschehnisse bestimmen, so wären wir der Unvorhersehbarkeit der Ereignisse und deren ständigen Änderungen ausgeliefert. Verantwortung ist jedoch nur möglich in einer Welt, in der sich die Dinge nach einer bestimmten Ordnung vollziehen, mit einem logischen und feststehenden Ablauf und nach einer unwandelbaren Gesetzmäßigkeit, die es uns erlaubt, Entwicklungen vorherzusehen, uns den Umständen anzupassen und mit Weisheit zu handeln.

Allein durch das Wissen um diese Gesetzmäßigkeiten sind wir in der Lage, vieles zu verstehen, was uns sonst geheimnisvoll bleiben würde. Wir können die Zusammenhänge von Ereignissen erkennen und eine neue Betrachtungsweise des Lebens erlangen.

Christopher Vasey

Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft