christopher vasey naturopathe
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Trinken, trinken, trinken!
Weshalb eine ausreichende Wasserzufuhr
für unseren Körper so wichtig ist

Die Flüssigkeiten im Organismus

Im Gegensatz zu der verbreiteten Meinung ist der menschliche Körper nicht ein Ganzes von festen Organen, in dem Flüssigkeit zirkuliert, sondern man müßte sagen: Er ist ein Ganzes von Flüssigkeiten, in dem sich Festes befindet. Der Körper eines Erwachsenen besteht aus 70 Prozent Wasser. Bei einem Neugeborenen ist die Flüssigkeitsmenge noch größer, sein Körper besteht aus 80 Prozent Flüssigkeit, und der eines vier Monate alten Fötus sogar aus 93 Prozent! Die meisten Organe bestehen zu 75 Prozent aus Wasser, das Organ mit dem höchsten Wasseranteil ist das Gehirn – 83 Prozent, das mit dem niedrigsten das Skelett – 22 Prozent! Die verschiedenen Flüssigkeiten des menschlichen Körpers sind nicht miteinander vermischt, sondern getrennt und verteilt in verschiedenen Abteilungen und Tiefen die des Organismus.

Die Flüssigkeit, die sich der Körperoberfläche am nächsten befindet, ist das Blut. Es zirkuliert innerhalb der Gefäße und bildet ungefähr 5 Prozent des Körpergewichtes. In der Abteilung direkt unter dem Blut befindet sich das extrazelluläre Serum, zu dem auch die Lymphe gehört. Wie der Name sagt, befindet sich diese Flüssigkeit außerhalb der Zellen. Sie umgibt und badet die Zellen und füllt die kleinen Zwischenräume aus, welche die Zellen voneinander trennen. Das extrazelluläre Serum macht etwa 15 Prozent des Körpergewichtes aus. Am tiefsten im Körperinneren ist des intrazellulären Serum, das sich innerhalb der Zellen befindet. Obwohl der Raum innerhalb jeder Zelle extrem klein ist, ergibt sich in Summe ein großes Flüssigkeitsvolumen: Das intrazelluläre Serum bildet 50 Prozent des Körpergewichtes!

Die Flüssigkeiten unseres Körpers bilden die Verbindung zwischen den Zellen und der Außenwelt. Sie befördern die Nährsubstanzen und den Sauerstoff bis zu den Zellen und nehmen die von ihnen produzierten Giftstoffe mit sich, damit sie ausgeschieden werden können. Ohne Flüssigkeit, ohne Wasser könnte unser Körper nicht funktionieren.

Das Wasserbedürfnis des Körpers

Täglich scheiden wir ungefähr zweieinhalb Liter Wasser aus: 1,5 Liter Urin, 0,5 Liter Schweiß und 0,5 Liter über die Lungen (in Form von Dampf) und durch den Darm. Dieser große Flüssigkeitsabgang muß unbedingt durch eine gleich große Wasserzufuhr ausgeglichen werden, damit der Körper weiter funktionieren kann. Dies erfordert das Gesetz des Gleichgewichtes, welches über alle physiologischen Phänomene regiert. Ebenso wie Zeiten der Tätigkeit durch Erholung ausgeglichen werden müssen oder Energiezufuhr durch Energieverbrauch, so muß auch die Flüssigkeitsausscheidung durch Wasserzufuhr kompensiert werden.

Woher bekommt der Körper täglich 2,5 Liter Wasser für seine Bedürfnisse? Ein Teil davon – ungefähr ein Liter – findet sich in den Nahrungsmitteln, der andere Teil (eineinhalb Liter) in den Getränken. Diese Mengen kommen zustande, wenn wir eine Nahrung zu uns nehmen, die reich an Früchten und Gemüse – und damit an Wasser – ist. Die heutigen Nahrungsmittel – Getreide und Fleisch – sind aber eher wasserarm, außerdem oft zu stark gesalzen und reich an Toxinen, was den Wasserbedarf steigert. Denn je mehr Schlacken es auszuscheiden gibt, umso mehr Flüssigkeit braucht der Körper.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), etwa zwei Liter Wasser täglich zu trinken.

Um zu wissen, wie viel man tatsächlich trinkt, muß man den ganzen Tag über das Volumen jedes Getränkes, das man zu sich nimmt, messen. Weil die Flüssigkeitszufuhr von einem Tag zum anderen verschieden sein kann, ist es gut, die Messung während einem Zeitraum von drei bis vier Tage vorzunehmen. Ein wichtiger Punkt für die Beobachtung der Flüssigkeitszufuhr: Während Wasser und ungezuckerte Kräutertees in vollem Umfang zählen, gilt dies nicht für Kaffee, Schwarztee,

Schokoladengetränke, sowie für Limonaden, Wein und Bier. Die Flüssigkeitsmenge dieser Getränke darf nur zur Hälfte gerechnet werden, da sie nicht so hydrierend wirken. Ihr hoher Anteil an Zucker, Alkohol und anderen Substanzen benötigt einen Teil der in ihnen enthaltenen Flüssigkeit, um verarbeitet, neutralisiert und ausgeschieden werden zu können.

Wasser- und Flüssigkeitsmangel

Da uns immer genügend Wasser zur Verfügung steht, denken wir kaum daran, wie kurz die Zeitdauer ist, während der ein Mensch ohne Wasser auskommen kann – oder anders ausgedrückt, wie kurz der Weg vom Wassermangel bis zum Tod ist. Schon nach drei Tagen ohne Wasserzufuhr treten ernste Beschwerden auf, der Tod tritt drei bis vier Tage später ein. Menschen, die sich in der Wüste verirren, Schiffbrüchige oder Bergarbeiter, die in einem Stollen gefangen sind, haben in solchen extremen Situationen schon oft erfahren, wie lebensbedrohlich akuter Wassermangel ist.

Der Körper kann jedoch auch an einem chronischen Flüssigkeitsmangel leiden, der zwar nicht zu kritischen, unmittelbar lebensbedrohlichen Zuständen führt, aber doch gesundheitliche Störungen verursachen kann.

Was geschieht, wenn der Körper nicht genügend Flüssigkeit erhält?
Zunächst verliert das Blut an Volumen. Es gibt ständig Wasser an die Nieren, die Schweißdrüsen sowie an die anderen Ausscheidungsorgane ab. Um diesen Volumensverlust auszugleichen, schöpft der Körper im extrazellulären Serum. Dies hat zur Folge, daß sich der Austausch zwischen dem Blut und den Zellen weniger gut vollzieht.

Um dem Mangel an Flüssigkeit auf der extrazellulären Ebene abzuhelfen, muß der Körper eine neue Notlösung finden; er greift auf das Serum im Inneren der Zellen zurück. Diese dehydrieren nun, und ihre Arbeitsfähigkeit vermindert sich dementsprechend.

Eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr führt also dazu, daß dem Körper in immer tieferen Etagen Wasser fehlt. Die Folge davon – und die Ursache aller durch Flüssigkeitsmangel ausgelösten Beschwerden – sind zwei große Stoffwechselstörungen: Die erste ist die Verlangsamung der Enzymtätigkeit. Enzyme sind verantwortlich für alle biochemischen Reaktionen innerhalb des Körpers und arbeiten umso schlechter, je dicker und zähflüssiger die organischen Flüssigkeiten ihrer Umgebung sind. Die Energie- und Hormonproduktion nimmt dadurch rasch ab, ebenso die Produktion von Substanzen, die für Reparaturarbeiten und für das gute Funktionieren des Organismus nötig.

Die zweite große Störung zeigt sich in einer Selbstvergiftung des Organismus. Die Ausscheidung der Toxine vollzieht sich zwar weiter, jedoch mit einer verminderten Flüssigkeitsmenge. Der Urin wird dicker, der Schweiß konzentrierter, der Stuhl trockener. Unter diesen Verhältnissen können die Giftstoffe natürlich weniger gut ausgeschieden werden, da die zur Ausscheidung nötige tragende Substanz rar ist.

Konkret bedeutet dies, daß ein chronischer Wassermangel zu den folgenden Beschwerden führen kann:
- Chronische Müdigkeit und Energiemangel (bedingt durch eine Verlangsamung der Enzymtätigkeit);
- Verstopfung (der Stuhl wird zu trocken und hart),
- Verdauungsstörungen (Mangel an Flüssigkeit zur Produktion von Verdauungssäften),
- zu tiefer Blutdruck (vermindertes Blutvolumen),
- Gastritis und Magengeschwür (Mangel an schützenden Schleimen entlang der Magen-Darmwände),
- Störungen der Atemwege (Austrocknen der Schleimhäute),
- Ekzembildung (Aggression der Haut durch zu konzentrieren Schweiß),
- Blasenentzündung (der Urin ist zu konzentriert und verursacht Mikro-Verletzungen, in welchen sich die Mikroben einnisten können).
- Auch Gewichtzunahme kann indirekt ein Resultat des Wassermangels sein. Durst wird von gewissen Menschen unglücklicherweise mit Hunger verwechselt. Essen kann tatsächlich den Durst stillen – dank der Flüssigkeit, die in den Nahrungsmitteln enthalten ist. Diese Flüssigkeitszufuhr wird jedoch von einer Kalorienzufuhr begleitet, was mit der Zeit zu höherem Körpergewicht führt. Übergewichtige Menschen sollten demnach viel mehr trinken, um falsche Hungergefühle zu verhindern. Außerdem regt die Notwendigkeit, große Flüssigkeitsmengen zu verwalten, auch die Verbrennung von Kalorien im Körper an.

Müdigkeit und Energiemangel sind die wichtigsten und häufigsten Symptome für Wassermangel. Daher kommt es, daß jemand, der seinen zu geringen Flüssigkeitskonsum auf das richtige Maß erhöht, als ersten Effekt bemerkt, daß er mehr Energie und Unternehmenslust hat.

Durst: ein Alarmsignal des Körpers

Der Durst ist ein Alarmsignal, das sich jedes Mal zeigt, wenn es dem Körper an Wasser zu mangeln beginnt. Der Durst regt ja nicht nur zum Trinken an, sondern läßt uns auch spüren, wie viel Flüssigkeit nötig ist, um den Wassermangel auszugleichen.

Es gibt Menschen, die behaupten, keinen Durst zu haben und die deshalb nur sehr wenig trinken. Meistens kommt dies daher, daß ein solcher Mensch öfter, obwohl er Durst hatte, nichts getrunken hat. Mit der Zeit hörte der Körper dann auf, diese Zeichen zu geben, das Durstgefühl wurde immer schwächer, um schließlich fast ganz zu verschwinden.

Glücklicherweise kann ein solcherart eingeschlafenes Durstgefühl, wie jede physiologische Funktion, wieder geweckt werden. Es reicht, wenn der Betroffene sich zwingt, eine normale Menge zu trinken, auch wenn er dazu kein Bedürfnis verspürt. Nach einigen Tagen wird er zu seiner Überraschung feststellen, welchen Durst er verspürt, obwohl er so viel trinkt!

Was sollte man am besten trinken?

Das ideale Getränk für den Menschen ist Wasser, denn es ist das einzige, das uns die Natur zur Verfügung stellt. Wenn man täglich ungefähr zwei Liter Wasser trinken soll, muß es natürlich einen guten Geschmack haben. Wenn das Wasser aus der Leitung kommt, ist es vielleicht nötig, die Qualität zu verbessern. Dazu gibt es die Möglichkeit, Filter zu benützen, die das Wasser von Chlor und Unreinheiten befreien. Chlor kann man auch verdunsten lassen, indem man das Wasser in einem Krug in den Kühlschrank stellt; das Wasser bekommt dann einen besseren Geschmack. Oder man greift zu Mineralwasser. Ob dieses Wasser Kohlensäure enthält oder nicht, ist im Hinblick auf die Flüssigkeitszufuhr nicht wichtig, es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, genauso, wie man sich für kaltes, lauwarmes gar heisses Wasser entscheiden kann.

Es ist besser und wirkt natürlicher, wenn man die nötige Wassermenge über den ganzen Tag verteilt zu sich nimmt, statt auf einmal große Mengen zu trinken. Es ist auch gut, während der Mahlzeiten zu trinken, das meiste Wasser sollte jedoch zwischen den Mahlzeiten konsumiert werden. Die Regel lautet: Man sollte jedes Mal trinken, wenn man Durst hat. Und die beste Art, diese Regel zu befolgen, ist reines Wasser zu trinken!

Christopher Vasey