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Saat und Ernte – Geburt und Schicksal

• Was bildet die Persönlichkeit des Menschen

• Suchen wir uns unsere Eltern selbst aus?

• Welchen Einfluß haben die Sterne auf unsere Geburt?

Persönlichkeitsbildung im Gesetz der Wechselwirkung

Die Formung der geistigen Individualität eines Menschen wird von dem Gesetz der Wechselwirkung gesteuert. Dieses Naturgesetz bedingt, daß jede Handlung eine Auswirkung und alles, was sich zeigt, eine Ursache hat. "Es gibt keinen Rauch ohne Feuer" drückt eine Volksweisheit die Wirkung dieses Gesetzes ganz richtig aus. Jedes Kind ist also aus ganz bestimmten Gründen genau die Persönlichkeit, die es ist. Aber was sind die Ursachen dafür? Wer hat diese Persönlichkeit geformt? In der Bibel wird das Gesetz der Wechselwirkung mit den Worten beschrieben: "Was der Mensch sät, das wird er ernten!" Darin liegt auch schon die Antwort: Der Empfänger der "Ernte" ist der gleiche Mensch, der die "Saat" ausgebracht hat. Der Geist des Kindes hat also selbst seine eigene Persönlichkeit gebildet! Sie ist die Ernte seiner eigenen Saat, also früherer Entschlüsse und Handlungen.

Dabei gilt, bildlich gesprochen, daß jemand, der Weizen sät, auch Weizen ernten wird. Das heißt: Es ist immer die Gleichart des Gesäten, die wir ernten. Der Menschengeist, welcher über einen freien Willen verfügt, kann über die Art seiner "Aussaat" wählen. Wenn er sich zum Beispiel bei Hindernissen immer wieder entscheidet, vorwärts zu gehen, so können sich aus dieser Einstellung Mut und Selbstvertrauen entwickeln; wenn er hingegen die Arme sofort entmutigt sinken läßt, kann sich eine Neigung zu Resignation, Defätismus und Feigheit entwickeln. Im Laufe der Zeit können sich solche Eigenschaften immer stärker zeigen und schließlich die Persönlichkeit des Menschen prägen – so lange, bis er die Ausrichtung seines Wollens wieder ändert, wodurch sich entsprechend andere Charakterzüge entfalten. Der Mensch hat demzufolge das meisterhafte oder mangelhafte "Werk", als das er sich zeigt, selbst geformt. Bei einem Neugeborenen ist nur der Körper neu. Sein tiefes Wesen, der Geist, hat schon vor diesem neuen Erdenleben viel erlebt und sich dementsprechend geformt.

Wenn beispielsweise Wolfgang Amadeus Mozart schon im Alter von 4 Jahren Klavier spielte und die Umgebung mit seinen außergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten beeindruckte, so nicht deshalb, weil seine Eltern Musiker waren und ihm diese Begabung vererbt hätten, sondern weil er sein Talent in früheren Leben selbst entwickelt hatte. Er konnte ernten, was er säte – und wenn diese Ernte reicher ausfiel als bei anderen Musikern, so deshalb, weil er länger und mit größerer Kraft gearbeitet hatte. "Durch das Schmieden wird man zum Schmied", sagt ein Sprichwort ganz richtig.

Genies werden für die Leichtigkeit, mit der sie sich auf ihrem Gebiet bewegen, oft bewundert. Man hat den Eindruck, das alles sei für sie ganz einfach und es habe ihnen wohl eine gute Fee alle Begabungen in die Wiege gelegt. In Wirklichkeit aber steckt hinter jeder Fähigkeit viel Energie und Arbeit. Wenn ein Kind herausragende Fähigkeiten "mitbringt", dann hat es dafür in früheren Leben gearbeitet, und es wird auch künftighin viel Energie einsetzen müssen, um diese Fähigkeiten zu erhalten oder weiter zu entfalten.

Wenn solche "angeborenen Anlagen" stark ausgeprägt sind, drängen sie das Kind oft in eine bestimmte Richtung. Es erklärt dann zum Beispiel mit Sicherheit, Arzt, Architekt oder Pianist werden zu wollen – und wird es später auch tatsächlich.

Das Gesetz von Saat und Ernte, das der Bildung der menschlichen Persönlichkeit zugrunde liegt, drängt das Kind – und später den Erwachsenen – auch zur Weiterentwicklung. Denn jede Ernte macht uns bewußt, ob unsere eigene Saat wohltuend war oder nicht. Die "Ernte" umfaßt dabei unsere gesamte Persönlichkeit, die uns, je nach ihrer Art, in fördernde oder konfliktreiche Lebenssituationen führen kann.

Die Hintergründe für das Schicksal des Kindes

Jede Inkarnation bringt dem Menschen einen Teil der Ernte von Saaten aus früheren Leben. Dies geschieht in allen möglichen Alltagssituationen. Wer anderen geholfen, sie respektiert und ermutigt hat, wird gleiches an sich erfahren; wer hingegen Gewalt, Unterdrückung oder Betrug gesät hat, wird nun ähnliches an sich erleben müssen, sofern er sich seit seiner Saat nicht innerlich gebessert hat. Denn in dem Maße, wie jemand seine Fehler erkennt und sich innerlich wandelt, werden die "karmischen Rückwirkungen" abgeschwächt. Die Wechselwirkung findet statt, jedoch in verminderter Form.

Die Umstände der Inkarnation und auch das weitere Schicksal des Menschen sind also Folgen vieler Entschlüsse aus früherer Zeit. Jeder Geist erlebt die ihm bestimmten Gegebenheiten, mit denen ihn die Fäden des Schicksals verbinden. Je nach den Erfahrungen, die er für seine weitere geistige Reife braucht, wird er in einer bestimmten zeitlichen Epoche und auf einem bestimmten Teil der Erde inkarnieren, in einer Zeit des Überflusses oder des Mangels, des kulturellen Aufschwunges oder der Dekadenz, in einem kleinen Dorf oder einer großen Stadt – und eben auch … in einer bestimmten Familie. Auf seinem Schicksalsweg wird er entweder viel Freude oder Trübsal, Krankheit oder Krieg, Wohlstand oder Hunger usw. finden. Und unter den Menschengeistern, die gleichzeitig mit ihm in diesem Umfeld leben, werden einige sein, mit denen er bereits früher Kontakt hatte, Freundschaften werden entstehen – und ebenso Vorbehalte anderen gegenüber; viele Lebenssituationen werden die Gelegenheit bieten, geistig zu reifen und vorwärts zu kommen.

Die vereinte Wirkung der Gesetze der Anziehung der Gleichart und der Wechselwirkung wacht darüber, daß jedes Kind genau am richtigen Platz zur Welt kommt. Da diese Gesetze ausnahmslos und allumfassend wirksam sind, gibt es im Inkarnationsgeschehen keine Irrtümer, keine Willkür, keinen Zufall.

Die schicksalhaften Ereignisse in unserem Alltag, also die Freuden und die Probleme in unserem familiären, sozialen und beruflichen Leben, sind zum großen Teil die Folgen weit zurückliegender Entschlüsse, aber natürlich auch eine Konsequenz unserer momentanen Entscheidungen, da wir mit unserem freien Willen ständig neue Entschlüsse treffen, die ebenfalls Auswirkungen haben. Sogar wenn wir bewußt oder aus Mangel an Unternehmungsgeist nicht entscheiden wollen, ist dies ein Entschluß, der Folgen nach sich zieht. Denn nach dem Gesetz der Bewegung muß der Menschengeist seine Fähigkeiten entfalten und benützen. "Wer nicht vorwärts geht, geht zurück", sagt ein Sprichwort ganz richtig. Wir können also auch in schwierige oder konfliktreiche Situationen geraten, weil wir nicht genügend in Bewegung sind, uns vielleicht in den "Elfenbeinturm" zurückgezogen haben.

Aus dem eigenen Erleben Lehren ziehen

Aus jedem Erlebnis kann der Mensch etwas lernen, wobei dieses Lernen durchaus nicht nur intellektuell zu verstehen ist. Es geht um eine tiefere Einsicht, die den Geist des Menschen und nicht allein das körperliche Gehirn berührt.

Zwischen intellektuellem und geistigem Wissen besteht ein großer Unterschied. Ein Mensch kann zum Beispiel von seinem Verstand her ganz genau wissen, daß Lüge oder Diebstahl nicht richtig sind – und dennoch lügt und stiehlt er. Das "Wissen" ist nicht wirklich verankert in ihm. Erst wenn er selbst eines Tages unter einer Lüge oder einem Diebstahl leiden muß, erfährt er vielleicht die Tragweite eines solchen Handelns wirklich. Die eigene Erfahrung sorgt dafür, daß ihm das Wissen zueigen wird, daß es als Gewißheit in seinem Geist "eingegraben" ist.

"Eine Lehre ziehen" hat also nicht nur mit dem Intellekt zu tun; das eigene Erleben ist wichtig. Deshalb können auch schon Kinder oder Babys aus ihrem Erleben lernen – es prägt sie, auch wenn sie noch nicht über die intellektuellen Fähigkeiten eines Erwachsenen verfügen.

Weshalb gerade diese Eltern ¬– und keine anderen?

Was die meisten Menschen während ihres Erdenaufenthaltes tief und nachhaltig beeindruckt, ist das Familienleben. Die Eltern sind für das Kind entscheidend wichtige Bezugspersonen, mit denen es etwa 20 Jahre lang, also ungefähr ein Viertel seines Lebens zusammenlebt.

Diese Verbindung besteht nicht ohne Grund: Die Eltern bieten dem Kind durch ihre Persönlichkeit und auch durch ihr eigenes Schicksal notwendige Anstöße für die Entwicklung. Ihre Fähigkeiten und Stärken regen es dazu an, im Leben ähnlich zu handeln, ihre Schwächen wirken abstoßend und können das Kind veranlassen, sich anders zu benehmen.

Welche Gesetzmäßigkeiten führen nun dazu, daß ein Kind bei seinen Eltern und nicht bei irgendwelchen anderen Menschen inkarniert? Zum einen kann, wie in dieser Serie bereits ausführlich beschrieben wurde, die Gleichart zwischen Eltern und Kind ausschlaggebend für die Inkarnation wirken. Zum anderen wirkt zwischen dem Kind und seinen Eltern häufig ein karmisches Band, also ein "Band der Wechselwirkung". Beispielsweise könnte das Kind ein Menschengeist sein, der in einem früheren Leben seiner jetzigen Mutter eine große Hilfe war, und die Mutter hat nun die Gelegenheit, ihrerseits liebevoll und hilfreich zu wirken. Aber das Kind kann zum Beispiel auch Probleme mit einem Elternteil in einem früheren Leben gehabt haben. Nun haben beide "Streitparteien" die Gelegenheit, aneinander zu reifen und ihre Einstellung zueinander zu ändern.

Hat das frühere Fehlverhalten eines Menschen bei einem anderen irgendeinen Schaden angerichtet, so ist die Wiederbegegnung der beiden eine absolute Notwendigkeit. Damit es zu einem gerechten Ausgleich kommt, muß der Täter den Schaden an seinem Opfer wieder gutmachen. Dieser Ausgleich kann sich auf irgendeine Art während des gemeinsamen Erlebens vollziehen. Das Naheverhältnis im Familienleben, die Liebe, die sich auf ganz natürliche Weise zwischen den Familienmitgliedern entwickelt, bietet im allgemeinen eine mächtige Hilfe für das Wiedergutmachen und für den inneren Wandel, der diesem Schritt zugrunde liegt.

Karmische Fäden können aus diesem Grund nicht nur zwischen den Eltern und ihren Kindern wirken, sondern es werden natürlich auch Geschwister, Großeltern, Onkel, Tanten, Cousins usw. miteinbezogen sein.

In ihrem Inneren spüren die meisten Menschen, daß sie nicht zufällig in "ihrer" Familie leben. Wir alle haben die Eltern, die wir verdienen, die Kinder, die wir verdienen – und unsere Kinder haben die Eltern, die sie verdienen.

Wählt sich das Kind seine Eltern aus?

Man hört manchmal die Meinung, daß der Mensch sich im Jenseits vor der Inkarnation seine Eltern bewußt im Hinblick auf bestimmte Ziele aussuche. In Wahrheit aber gibt es keine willkürliche Freiheit in diesen Dingen. Natürlich können Wünsche und Sehnsüchte eine Richtung vorgeben, doch der Mensch kann seine eigene Art nicht im "Handumdrehen" ändern und auch nicht seine Schicksalsfäden zerschneiden. Letztlich führen daher die Gesetze der Gleichart und der Wechselwirkung jeden Menschen genau zu "seinen" Eltern.

Wenn jemand inkarniert, so deshalb, weil für ihn eine Entwicklungsspanne im Jenseits durchlebt ist und er auf die Erde muß, um Erfahrungen zu sammeln, Fäden zu lösen oder eine andere Aufgabe zu erfüllen.

Die Auffassung: "Ich habe meine Eltern für diese Inkarnation gewählt" stimmt daher im allgemeinen nur in dem Sinne, daß wir früher einmal selbst jene vielen persönlichkeits- und schicksalprägenden Entscheidungen getroffen haben, die uns in in diesem Erdenleben in eine bestimmte Umgebung und zu bestimmten Eltern geführt haben.

Der Geburtszeitpunkt und die Astrologie

Die Tatsache, daß die Persönlichkeit und das Schicksal eines Kindes Ergebnisse seiner eigenen Willensentschlüsse sind, scheint in Widerspruch zur Astrologie zu stehen, die ja davon ausgeht, daß es einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit sowie dem Schicksal des Kindes und der Stellung der Gestirne im Moment der Geburt gibt.

In Wirklichkeit jedoch hat ein Kind nicht einen bestimmten Charakter und ein bestimmtes Schicksal, weil die Sterne in einer entsprechenden Konstellation am Himmel standen. Vielmehr wird der Mensch unter diesen Sternenstrahlungen geboren, weil er einen bestimmten Charakter hat, der mit eben dieser Sternenkonstellation zum Geburtszeitpunkt korrespondiert.

Wenn vorhin gesagt wurde, daß uns das Gesetz der Wechselwirkung die Ernte unserer eigenen Saat "zurückbringt", also unser Karma oder Schicksal, so haben wir noch nicht betrachtet, wie das konkret vor sich geht. Dieser Vorgang steht im Zusammenhang mit den Planeten unseres Sonnensystems und auch noch mit weiteren Himmelskörpern. Deren Strahlungen bilden "Kanäle", die das für jeden Menschen anstehende Karma "führen". Abd-ru-shin schreibt dazu in seinem Vortrag "Astrologie": "Die Strahlungen der Sterne bilden nur die Wege und Kanäle, durch welche alles feinstoffliche Lebendige geschlossener zu einer Menschenseele dringen kann, um sich dort auszuwirken. Bildlich ausgedrückt kann man sagen: Die Sterne geben das Signal für die Zeiten, in denen die rückläufigen Wechselwirkungen und andere Einflüsse durch ihre Strahlenführung zusammengefaßter, geschlossener auf den Menschen strömen können. Ungünstigen oder feindlichen Sternenstrahlungen schließen sich üble in dem Feinstofflichen für den betreffenden Menschen schwebende Strömungen an, günstigen Strahlungen dagegen der Gleichart entsprechend nur gute." ("Im Lichte der Wahrheit" Band II, Vortrag 26)

Es gibt demnach keinen Widerspruch zwischen der Astrologie und der Tatsache, daß wir unser Schicksal selbst formen. Die Sterne bestimmten nicht unser Schicksal, sondern sie tragen dazu bei, daß es sich formen kann. Die Strahlungen der Sterne lassen jedem von uns das zukommen, was ihm zusteht.

Jeder Mensch wird unter gewissen Sternenstrahlungen geboren, weil er eine innere Gleichart mit deren Energien hat. Der Zeitpunkt der Geburt markiert jenen Moment, an dem ein Mensch seelisch und körperlich reif für die grobstoffliche Welt ist, sein innerer Zustand im harmonischen Gleichklang mit einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort, um im Laufe seines weiteren Lebens eine ganz bestimmte Folge von Ereignissen zu erfahren.

Es ist somit nicht anzuraten, den Geburtszeitpunkt willkürlich zu verändern, indem etwa zur Annehmlichkeit der Mutter ein Kaiserschnitt vorgenommen wird, bevor die Wehen spontan eingesetzt haben. Solche Eingriffe rücken die Stunde der Geburt künstlich vor, und je weiter man sich dadurch vom gesetzmäßig bestimmten idealen Zeitpunkt einer natürlichen Geburt entfernt, desto mehr Mühe hat die inkarnierte Seele, sich ihrem Körper und den Lebensumständen anzupassen.

Wenn eine Geburt hingegen aus unerläßlichen medizinischen Gründen vor dem errechneten Termin erfolgen muß, kann dieses Ereignis natürlich auch ein Teil des Kindesschicksals sein.

Christopher Vasey