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Phantomschmerzen

Menschen mit amputierten Gliedmaßen verspüren manchmal Schmerzen an Stellen, an denen sich gar kein Körperglied mehr befindet. Wie ist so etwas möglich? Eine befriedigende Erklärung findet dieses Phänomen erst, wenn man den Menschen in seiner Ganzheit betrachtet.

Ohne Vorwissen käme bei der Amputation von Körpergliedern wohl niemandem in den Sinn, daß es möglich wäre, Schmerzen zu empfinden da, wo sich der fehlende Arm oder das fehlende Bein vorher befunden hatte. Doch gerade dies ereignet sich in den meisten Fällen. Nicht nur, daß der Betroffene die Gegenwart des fehlenden Gliedes spürt, sondern auch, daß er in diesem Schmerzen empfindet. Die Schmerzen treten entweder zeitweise und stark auf, oder aber sie sind dauernd vorhanden, jedoch von schwacher Intensität. In manchen Fällen vermindern sich die Schmerzen über die Jahre hinweg, in anderen dauern sie das ganze Leben lang an.

Historische Berichte

Einer der ältesten bekannten Berichte des Phänomens der Phantomglieder und der damit verbundenen Schmerzen stammt von dem berühmten französischen Militärchirurgen Ambroise Paré (1510–1590). Als Autodidakt erlernte er die Kunst der Chirurgie auf den damaligen Schlachtfeldern, wo der Gebrauch von Schwertern, Speeren und ersten Schußwaffen schreckliche Verwundungen verursachte, die des öfteren eine Amputation erforderten. Aus seiner Erfahrung berichtet er: "Die Patienten sagen, lange Zeit nachdem die Amputation vorgenommen wurde, daß sie noch Schmerzen in dem amputierten Teil empfinden. Sie beklagen sich nachdrücklich darüber, was erstaunlich und fast unglaublich ist für jemanden, der solches nicht erlebt hat."

Mitte des 19. Jahrhunderts erschien eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Der Fall des George Dedlow" in einer amerikanischen Zeitschrift. Sie erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der während der Schlacht am Chickamauga zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges schwer verletzt wurde. In ein Landspital überführt, wurde er dort operiert. Als er wieder zu sich kommt, weiß er nicht, daß seine beiden Beine amputiert wurden. Er bittet einen Hilfspfleger, seine linke Wade zu massieren, da er dort einen Krampf spürt. Als der Pfleger die Bettdecke hebt, sehen beide, daß er keine Beine mehr hat. Es hat sich später herausgestellt, daß diese anonym veröffentlichte Kurzgeschichte von Silas Weir Mitchell (1829–1914) geschrieben wurde, einem amerikanischen Neurologen, welcher als Erster objektive klinische und gründlich erforschte Beschreibungen des Spürens von Phantomgliedern und den damit verbundenen Schmerzen machte.

Zu den heutigen Opfern dieses Phänomens gehören etwa diejenigen, die ein Bein oder einen Fuß verloren haben, weil sie auf eine Antipersonenmine getreten sind, wie dies Rahsa, eine junge Libanesin, bezeugt: "Wenn ich mich abends hinlege, so schmerzt mich das Bein, welches fehlt. Ich spüre es, wie wenn es noch da wäre."

Phantomschmerzen werden auch in der Romanliteratur erwähnt. So etwa in Hermann Melvilles (1819–1891) berühmtem Walfangroman "Moby Dick". Kapitän Ahab, der Held der Erzählung, welcher ein Bein verloren hat, wendet sich an den Schiffszimmermann, damit er ihm ein Ersatzbein anfertige. Während des Gesprächs erklärt er ihm, daß er ein anderes Bein empfinde an der Stelle, wo sich das vorherige befunden hat.

Die Erklärung der Wissenschaft

Für die Wissenschaft erklären sich Phantomschmerzen dadurch, daß das Gehirn für jeden Körperteil eine Vorlage besitzt, die diesen repräsentiert. Diese Vorlage bleibe selbst nach einer Amputation bestehen. Da das Gehirn ununterbrochen sensorische Informationen vom gesamten Körper erhält, könne es vorkommen, daß es manche davon fälschlicherweise einem Körperglied zuschreibt, der gar nicht mehr existiert. Der Betroffene würde deshalb glauben, daß er Schmerzen im fehlenden Glied empfindet. Es handelt sich demnach um eine Projektion, hervorgerufen durch die Stimulation der Vorlage des betreffenden Gliedes im Gehirn. Eine Studie an Kindern, die mit einem fehlenden Körperglied geboren wurden, widerlegt allerdings diese Erklärung. Da diesen Kindern seit Beginn ihres Lebens ein bestimmtes Glied fehlt, kann das Gehirn auch nicht dessen Vorlage gespeichert haben. Dennoch fühlen auch sie an der Stelle etwas, wo sich der Körperglied, den sie nie besessen haben, befinden würde.

Der Mensch ist mehr als sein Körper

In der Wissenschaft dominiert die materialistische Sichtweise. Sie geht davon aus, daß nur die Materie existiert, daß der Mensch also auch nur aus seinem physischen Körper besteht. Für einen Materialisten gruppieren sich – dank des genetischen Schlüssels – die Zellen ganz von alleine, um den Erdenkörper zu bilden.

Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit, die Dinge zu sehen, nämlich aus geistiger Sicht. Dieser entsprechend ist der Mensch mehr als nur ein Körper aus Fleisch und Blut, er ist ein in einen physischen Körper inkarnierter immaterieller Geist. Erst die Anwesenheit des Geistes belebt den Körper. Er ist zudem von verschiedenen feineren Hüllen umgeben, die er sich während seines Abstiegs zur Erde, von einer Ebene des Jenseits zur anderen, der zunehmenden Dichtheit seiner Umgebung entsprechend anlegte. Zusammen mit seinen feineren Hüllen bildet der Geist das, was man gewöhnlich die Seele nennt. Die Seele ist nicht formlos, sondern besitzt ebenfalls Menschenform. Sie ist es, welche in den physischen Körper inkarniert und von der man beim Tode sagt, daß sie sich vom Körper gelöst hat. Die letzte der ätherischen Hüllen, welche den Geist umgeben, das Bindeglied zwischen Körper und Seele, ist der sogenannte Astralkörper, von dem viele Hellsichtige berichten.

Die Rolle des Astralkörpers

Der Astralkörper bildet das dreidimensionale Vorbild für den physischen Körper, gewissermaßen sein Modell. Demnach gruppieren sich die Zellen nicht ganz von alleine, um einen Körper aufzubauen, sondern sie folgen einem unsichtbaren Bauplan. Während der Bildung des Organismus wirkt also der schon vorher existierende Astralkörper, welcher dieselbe Form hat, die der physische Körper später annehmen wird, regulierend als Vorlage. Er sorgt dabei auch dafür, daß die sich vermehrenden Zellen sich zu den verschiedenen Arten wie Muskel-, Herz-, Nierenzellen und so weiter entwickeln. Seine Aufgabe beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Bildung des Körpers. Er ist über die Meridiane auch an der Belebung der Organe beteiligt, ebenso an der harmonischen Abstimmung der verschiedenen Körperfunktionen.

Als ein vom physischen Körper verschiedenes und bis zu einem gewissen Grad unabhängiges Modell bleibt, trotz der Entfernung eines physischen Körpergliedes, dasjenige des Astralkörpers bestehen. Die astrale Vorlage eines Beines verschwindet somit nicht gleichzeitig mit dessen Entfernung auf physischer Ebene. Und während hier die Nerven gekappt sind, funktioniert die Reizleitung über den Astralkörper weiter, der nicht unempfindlich ist. So kommt es, daß Amputierte Druckgefühle oder Schmerzen empfinden an Stellen, wo sich vorher das entsprechende Körperglied befand und jetzt mit irdischen Augen nichts mehr zu sehen ist.

Phantomschmerzen sind ein deutlicher Hinweis darauf, daß der Mensch nicht nur ein Körper aus Fleisch ist, sondern auch und vor allem aus einem feineren Teil besteht. Dieser Sichtweise würde ein berühmter Amputierter, Lord Nelson (1758–1805), ein englischer Admiral, welcher seinen rechten Arm bei der Seeschlacht von Santa Cruz vor Teneriffa verlor, sicher nicht widersprechen. Die Gefühle, die er in den Fingern seines amputierten Armes empfand, ließen ihn sagen, daß er darin einen direkten Beweis von der Existenz der Seele sehe.

Christopher Vasey

Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft