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Krieg – ein unausweichliches Schicksal?

Mehr als 3,6 Milliarden Tote – das ist, laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation, die Gesamtzahl der Opfer aller Kriege, die seit dem Jahre 3570 v. Chr. bis heute stattgefunden haben. Diese Zahl entspricht etwas mehr als der Hälfte der gegenwärtigen Weltbevölkerung. Es handelt sich dabei jedoch nur um eine Schätzung, denn über die Opferzahlen in weit zurückliegende Zeiten weiß man nichts Genaues. Sicher ist demgegenüber, daß seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehr als hundert Kriege ausgebrochen sind. 21 Millionen Menschen starben, pro Minute gibt es im Durchschnitt ein Kriegsopfer.

Sind Kriege also ein unausweichliches Schicksal für die Menschheit? Wie kommt es dazu, daß Menschen immer wieder ihre Selbstkontrolle verlieren, die Würde anderer untergraben und deren Leben zerstören?

Die Ursache eines Krieges ist für den gewöhnlichen Bürger oft nicht nachvollziehbar. Denn die Verletzung eines bestimmten wirtschaftlichen oder politischen Gleichgewichts erscheint völlig unbedeutend im Vergleich zu dem Leid, das ein kriegerischer Konflikt mit sich bringt. Was kann der einzelne also tun? Bleibt etwas anderes übrig, als Kriege einfach zur Kenntnis zu nehmen – als unabwendbare "Last des Menschseins"?

Dieser Auffassung begegnet man häufig – und sie überrascht auch nicht. Denn schon die Ursachen für das individuelle Schicksal werden meist nicht verstanden, umso weniger das Schicksal von Völkern oder Staaten.

Und doch kann die Logik, der das Schicksal folgt, leicht verständlich werden, wenn man das Gesetz von Ursache und Wirkung mit einbezieht. Dieses Gesetz ist in der Wissenschaft gut bekannt, und man kann es auch im Alltag beobachten: Jede Ursache führt unabwendbar zu einer Wirkung, jede Wirkung ist das Resultat einer bestimmten Ursache. Für unser Schicksal gilt also das biblische Wort: "Was Du säst, wirst Du ernten!" Alle unsere Entscheidungen – Gedanken, Worte und Handlungen – sind eine Saat, die sich weiter entwickelt und deren Ernte wir an uns selbst erleben müssen.

Dieses Gesetz ist ununterbrochen wirksam. Unser gegenwärtiges Erleben ist die Folge vergangener Entscheidungen, und die gegenwärtigen Entscheidungen gestalten unweigerlich das zukünftige Schicksal. Es kann daher nie ungerecht sein.

In diesem Sinne ist natürlich auch ein Krieg das Ergebnis von Entscheidungen, das Resultat bestimmter Entschlüsse, und hat nichts mit blinder Schicksals-Willkür zu tun.

Aber welche Willensäußerungen spielen dabei mit? "Die Führenden des Landes treffen die Entscheidung – ich kann nichts dafür", meinen viele und sind überzeugt davon, keinerlei Mitverantwortung für kriegerische Konflikte zu tragen. Und doch wirken viel mehr Menschen als man allgemein annimmt, am Ausbruch eines Krieges mit. Dies wird deutlich, wenn man die Wirkung der Gedanken mit in Rechnung stellt.

Wer ist für Kriege verantwortlich?

Gedanken, die noch keinen Ausdruck fanden, werden üblicherweise als unwichtig für den Ablauf irdischer Ereignisse angesehen, denn sie sind – im Gegensatz zu Worten und konkreten Handlungen – nicht faßbar. Und doch verraten manche Redensarten, daß wir Gedanken durchaus als etwas Reales, Wirksames ansehen. Das Sprichwort "Ideen regieren die Welt" weist zum Beispiel darauf hin, daß alle irdischen Ereignisse letztlich bestimmten Ideen folgen. Und der Ausspruch "Es lag etwas in der Luft" drückt die Erfahrung aus, daß bestimmte Gedanken von mehreren Personen unabhängig voneinander aufgenommen und umgesetzt werden können.

Gedanken sind in gewissem Sinn auch wirklich "greifbar". Sie besitzen eine Form, die der jeweiligen Idee entspricht, bestehen allerdings aus einer feineren, nicht sichtbaren Stofflichkeit. Jede von einem Menschen ausgesandte "Gedankenform" bleibt durch eine "Schnur" mit ihrem Erzeuger verbunden. Dadurch kann sie stärker werden und anwachsen, wenn der Mensch immer wieder gleichartige Gedanken und Empfindungen hegt, oder die Gedankenform kann schwächer werden und auch wieder ganz verschwinden, wenn sie nicht weiter "ernährt" wird.

Bedingt durch das Gesetz der Gleichart zieht jede Gedankenform ihr ähnliche, schwächere Gedankenformen an oder sie wird ihrerseits von einer stärkeren Gedankenform angezogen. So bilden sich Zentralen gleicher Gedankenformen, in denen sich – in guter oder schlechter Art –Tausende oder gar Millionen ähnlicher Gedanken sammeln und die dadurch eine unglaubliche Macht erlangen können.

Diese Macht kann auch deutlich empfunden werden. Es reicht zum Beispiel, daß man sich im Zorn einmal "gehen läßt". Damit öffnet man sich den Einflüssen solcher Gedankenzentralen, und schon steigert sich die Aggressivität. In vielen Menschen wächst dadurch die Gewaltbereitschaft – und schließlich tun sie etwas, das sie ursprünglich gar nicht wollten. "Es war stärker als ich!" sagen sie dann, und beschreiben so die Macht des Stromes aus einer Gedankenzentrale. Wenn es sich dagegen um die Verbindung mit aufbauenden Kräften handelte, hört man oft die Worte: "Es war viel einfacher, als ich mir vorgestellt habe!" Die Gedankenzentralen werden also nicht nur ihrerseits von Gedanken gestärkt, sondern sie nähren und beeinflussen umgekehrt auch alle Menschen, die in gleicher Art denken. Wenn also jemand beispielsweise kriegerische Gedanken hegt, so verbindet er sich dadurch mit der entsprechenden Gedankenzentrale. Aus dieser Zentrale werden alle gleichartigen Gedanken genährt und gefestigt, und sie drängen in der Folge zur Tat, sie wollen in die sichtbare irdische Wirklichkeit umgesetzt werden.

Bricht nun ein Krieg aus, so trifft die Verantwortung dafür also nicht nur die, die auf Grund ihrer Entscheidungen den direkten Anlaß dafür gaben, sondern bis zu einem gewissen Grad auch alle Menschen, die durch ihre Gedanken kriegerische Absichten nährten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie selbst den Kriegsnationen angehören oder nicht. Ihre Mitverantwortung mißt sich an der Kraft und Intensität der eigenen Gedanken und Empfindungen.

Der Kampf um den Frieden

Merkwürdigerweise wird heute um den Frieden "gekämpft". Friede soll durch ein Gleichgewicht in der Bewaffnung erreicht werden. Aber die damit verbundenen Gedanken bauen keine Friedenszentralen auf, sondern sie kreisen letztlich um das Thema "Krieg". Kriege entstehen auch nicht nur durch gewalttätige oder haßerfüllte Gedanken. Habsucht, religiöse Intoleranz oder Rassismus bilden ebenfalls, unabhängig von irdischen Distanzen, machtvolle Gedankenzentralen, die sich überall auf der Erde auswirken und zu kriegerischen Handlungen führen können, sobald sie einen geeigneten Ankerpunkt finden.

Und so paradox es auch klingen mag, zerstörerisch wirkende Gedankenformen können auch durch ausgesprochene Pazifisten verstärkt werden, denn Aggressivität im Kampf für den Frieden oder ein gewisser Haß gegenüber den kriegsführenden Parteien fördern wiederum die falschen Gedankenzentralen.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel! Wenn wir dauerhaften Frieden erreichen wollen, müssen wir die enorme Macht der Gedankenzentralen viel stärker als bisher berücksichtigen. Das gute Wollen muß durch alle Gedanken und Empfindungen schwingen. Krieg oder Frieden auf Erden widerspiegelt immer den inneren Zustand der Menschheit.

Die Macht guter und aufbauender Gedanken – darin liegt das verläßlichste System zur Verhinderung von Kriegen und zum friedvollen Zusammenleben. Es ist nachhaltiger wirksam als alle politischen, wirtschaftlichen, finanziellen oder humanitären Anstrengungen, die man heute in Betracht zieht. Wir sollten uns endlich dazu entscheiden, die uns geschenkte Gedankenmacht in den Dienst des Friedens zu stellen.

Christopher Vasey