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Im Dschungel der Diäten
Ein Wegweiser für Kuren und diätetische Maßnahmen

Diäten zum Abnehmen, gegen Nährstoffmängel, zur Belebung; besonders vitaminreiche, fettfreie, eiweißarme Kost; vegetarische, makrobiotische Ernährungsweise … nie zuvor wurden so viele Diäten angeboten wie heutzutage. Wie soll man sich da zurechtfinden? Wie gut sind Trenn- oder Mineralierungskost oder die "Super-Diät" des Dr. X? Christopher Vasey, erfahrener Heilpraktiker und Autor einschlägiger Fachbücher, empfiehlt einen einfachen Wegweiser durch den Dschungel der Diäten: die Beachtung des Gesetzes vom Gleichgewicht oder Ausgleich.

Ein zentrales Gesetz, das alle natürlichen Abläufe bestimmt, ist das Gesetz des Gleichgewichtes. Es wirkt im größten wie im kleinsten. Es sorgt dafür, daß die Gestirne genau Bahnen durchlaufen, weil Kräfte im Gleichgewicht sind, und bewirkt auch im atomaren Bereich ein Gleichgewicht der Kräfte von Protonen und Elektronen.

Aus diesem Gesetz folgt auch, daß überall ein Ausgleich stattfindet – zwischen Geben und Nehmen. Auf der Körperebene zeigt sich dies zum Beispiel darin, daß die Luftmenge, die wir ausatmen (geben), derjenigen entspricht, die wir einatmen (nehmen) oder daß die Blutmenge, welche vom Herzen in die Adern ausgestossen wird, nicht größer sein kann als das zurückströmende Venenblut. Die Tätigkeit während des Tages muß durch eine angepaßte Ruhezeit ausgeglichen werden, und beim Gehen wird die Bewegung des linken Beines durch die des rechten ausgeglichen, damit wir unser Gleichgewicht behalten können.

Dieses Gesetz vom Gleichgewicht oder Ausgleich umfaßt nun auch die Ernährung des menschlichen Körpers. Hier ist es notwendig, daß ein Gleichgewicht besteht zwischen dem, was dem Körper zugeführt wird – den Nahrungsmitteln –, und dem, was ihm abverlangt wird – der Tätigkeit – und was er wieder ausscheidet.

Unsere Gesundheit hängt von diesem Gleichgewicht ab, das immer wieder errungen werden muß, da wir manchmal mehr Nahrungsmittel zuführen als wir verbrauchen oder umgekehrt. Das Gleichgewicht wird normalerweise von einem Tag zum anderen wieder hergestellt. Es gibt jedoch Menschen, die sich dauernd im Ungleichgewicht befinden: Entweder essen sie gewohnheitsmäßig mehr als das, was der Körper benötigen würde oder die Nahrungszufuhr ist zu gering. Im Fall der Überernährung ergibt sich die Erkrankung durch die Anhäufung von Schlacken im Organismus; im anderen Fall verursacht ein Mangel an Nährsubstanzen Beschwerden. In beiden Fällen muß die Therapie bei der Ernährungsweise der betroffenen Personen ansetzen, um das verlorene Gleichgewicht wieder herzustellen.

Wie wirken Diäten?

Diäten sind einschränkende Ernährungskuren, bei denen man auf ein oder auf mehrere Nahrungsmittel verzichtet. Die Intensität der Einschränkung ist vom angestrebten Ziel abhängig. Versucht man nur den Organismus zu entlasten, so ist es ausreichend, wenn man ihm kleinere Nahrungsmittelmengen als bisher zuführt. Will man eine in der Tiefe korrigierende Wirkung erzielen, so muß die Nahrungsmittelzufuhr geringer sein als der Bedarf. Denn nur indem man dem Organismus das, was für ihn notwendig ist, vorenthält, beginnt er in den Tiefen der Gewebe zu schöpfen, wo er die Substanzen als Überfluß eingelagert hatte. Die Überlastung nimmt so ab und verschwindet zuletzt.

Die strengste aller Diäten ist das Fasten. Dabei ist nichts als Wasser erlaubt. Die Verbrennung von Reserven und Schlacken ist hier am größten, weil der ja Körper keine Nährstoffe erhält. Doch solche Fastenkuren können auch belasten und sollten nie unbedacht durchgeführt werden. Monodiäten sind etwas weniger einschränkend, da – wie ihr Name "Mono" sagt – ein einziges Nahrungsmittel erlaubt ist. Dieses kann bei jeder Mahlzeit genossen werden. Zu den bekanntesten Monodiäten gehören die Traubenkur von Johanna Brandt, die Gemüsesaftkur von Breuss, die Reiskur der Makrobioten, die Zitronensaftkur und die Ahornsirupkur.

Außer dem Fasten und den Monodiäten gibt es noch eine Menge anderer restriktiver Diäten, welche weniger streng sind, da mehrere Nahrungsmittel zugelassen werden. So lange sie der gewohnten Essensweise gegenüber einschränkend sind, sind sie auch wirksam. Die Möglichkeiten sind zahllos. Es gibt Diäten, die sich an der Kalorienzahl orientieren und 2000, 1500 oder 1000 Kalorien pro Tag zulassen, fett-, kohlenhydrat- oder eiweißarme Diäten, solche mit nur wenig Salz, abgewogene Kost, usw.

Zu diesen Diäten gehört auch die Trennkost. Hier sind alle Nahrungsmittel erlaubt, jedoch dürfen sie nicht gleichzeitig genossen werden. Eiweiß- und stärkehaltige Speisen werden immer zu verschiedenen Mahlzeiten zu sich genommen. Das Mittagessen besteht so beispielsweise aus rohem und gekochtem Gemüse und einem stärkehaltigen Nahrungsmittel wie Kartoffel, Getreide oder Teigwaren. Das Abendessen hingegen aus rohem und gekochtem Gemüse und einer Eiweißspeise nach Wahl (Käse, Fleisch, Fisch oder Ei). Die Trennung der Nahrungsmittel vereinfacht und verkürzt die Verdauungsdauer beträchtlich, was so auch die Zeit verkürzt, während der der Organismus in den im Speisebrei enthaltenen Nährstoffen schöpfen kann. Durch die geringere Assimilation kann der Körper verpflichtet sein, abgelagerte Überschüsse abzubauen.

Es geht nicht nur um das Gewicht!

Diese Tatsache konnte bei einem Volk nachgewiesen werden, das dank besonderer Lebensumstände als äußerst gesund gilt. Seine Mitglieder erfreuen sich nicht nur eines außerordentlichen physischen und psychischen Wohlbefindens, ihr Körpermilieu ist so gut, daß sie auch keine der weitverbreiteten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Krebs, Herzinfarkt oder Rheumatismus kennen und zudem gegen alle im Orient verbreiteten Infektionskrankheiten resistent sind. Es ist das Volk der Hunza, welches im Pamir-Massiv im Norden Indiens lebt. Aufgrund ihrer großen Vitalität und Resistenz nennt man die Hunza "das Volk, das keine Krankheiten kennt". Im übrigen ist erwiesen, daß es ausgesprochen schwierig bis unmöglich ist, infektiöse Krankheiten zu Versuchszwecken auf Tiere – zum Beispiel Affen – zu übertragen, wenn diese noch kurz zuvor in ihrem natürlichen Lebensraum gelebt haben. Erst wenn sie eine Zeitlang im Labor gelebt, unangemessene Ernährung und medizinische Cocktails erhalten haben sowie Streß (Lärm, Kälte usw.) ausgesetzt waren, verschlechtert sich ihr Körpermilieu so weit, daß sie für übertragene Krankheitserreger empfänglich werden! Dieses traurige Beispiel zeigt gut, daß Krankheiten nicht durch Unglück oder Zufall entstehen und daß die Angst, eine Krankheit könnte uns plötzlich und grundlos "überfallen", unbegründet ist.

In einer solchen ständigen Angst vor Krankheiten können jedoch die Menschen leben, die an den Zufall glauben. Sie fühlen sich dem Zufall – und damit jeder Krankheit – hilflos ausgeliefert. Diese Angst hat jedoch, wie wir gesehen haben, keine Berechtigung. Im Grunde sind wir uns dessen durchaus bewußt. Sind wir erkrankt, so spüren wir manchmal – ohne es erklären zu können –, daß "dies wohl so kommen mußte", daß "es vorhersehbar war" oder auch, daß "es sich nur um eine logische Folge" handelt.

Selbst wenn wir revoltierend ausrufen: "Womit habe ich das denn verdient?" geben wir indirekt zu, daß die Krankheit nicht durch Zufall entstand, sondern daß wir etwas getan haben müssen, um die Krankheit, die uns befällt, zu "verdienen"

Der Sinn von Ernährungskuren

Anders als bei einer Diät, ist es das Ziel von Ernährungskuren, Mängel zu decken, also dem Organismus die Nährstoffe (Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren usw.) zuzuführen, deren Fehlen oder Mangel ihn erkranken ließ. Der Organismus ist abhängig von der Nährstoffzufuhr, wenn er gut funktionieren und aufgebaut werden soll. Vorübergehende Mängel haben zwar meist keine bedeutenden Konsequenzen, dauerhafte Mängel jedoch können zu beträchtlichen Schäden führen. Ernährungskuren sind so zusammengestellt, daß sie dem Körper fehlende Nährstoffe wieder zuführen. Bei Vitamin-C-Mangel wird die Kur zum Beispiel reich an Zitrusfrüchten sein. Besteht ein Mangel an Mineralstoffen, so können Gemüse- und Milchprodukte hilfreich sein, da der Anteil an Mineralstoffen in diesen Nahrungsmitteln hoch ist.

Manchmal ist es aber nicht ausreichend, einfach nur bestimmte Nahrungsmittel wieder zu verwenden, sondern man muß deren Konsum beträchtlich erhöhen, um die nötige Menge eines bestimmten Nährstoffs zuzuführen.

Eine Protein-Ernährungskur, welche Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten einen wichtigen Platz einräumt, kann zur Behebung von Eiweißmangel angewandt. Gegen Osteoporose kann man eine Kur empfohlen werden, die viele Milchprodukte (Käse, Quark, Yoghurt usw.) umfaßt, was die Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr unterstützt. In gewissen Fällen wird es empfehlenswert sein, der Ernährung natürliche Nahrungsergänzungsmittel zuzufügen, um so die Vitamin- oder Mineralstoffzufuhr zu erhöhen. So werden eignen sich beispielsweise Weizenkeime für eine erhöhte Vitamin-E-Zufuhr, Bierhefe für die B-Vitamine, Spirulina für die Aminosäuren, Leinöl oder Rapsöl für Vitamin F.

Welche Kur brauche ich?

Jede Kur sollte ein bestimmtes therapeutisches Ziel haben. Daher ist es nicht sinnvoll, einfach eine Kur oder eine Diät zu versuchen, nur weil sie von den Medien als vorzüglich dargestellt oder in einem Buch wärmstens empfohlen wurde, weil sie gerade Mode ist oder dieser oder jener Person sehr gut getan hat. Die passende Kur oder Diät sollte den persönlichen Bedürfnissen genau entsprechen. Eine gute Beratung ist dabei wichtig, denn im Körper gibt es vielfältige Wechselwirkungen, sodaß das, was nützen soll, letztlich vielleicht sogar schadet.

Wenn eine Diät schnellen Erfolg verspricht, ohne daß man selbst etwas dazu beitragen muß, ist große Vorsicht angebracht.

Im Hinblick auf das Naturgesetz des Ausgleichs stellt jede "einseitige" Diät eine unausgeglichene Ernährungsweise dar – das Ziel ist es ja, ein bestehendes Ungleichgewicht zu beheben. Demnach gehören Diäten und Kuren nicht zur normalen Lebensweise, sie sollten also nicht auf Dauer beibehalten werden. Auch ist es nicht hilfreich, während des ganzen Lebens von einer Diät oder Kur zur nächsten zu gehen, um möglichst viel "Gesundes" zu unternehmen.

Diäten und Ernährungskuren sind vorübergehende Hilfen. Außerhalb der Zeit ihrer Anwendung sollten wir uns um eine gesunde Ernährungsweise bemühen, die unseren Bedürfnissen angepaßt ist. Wobei sich diese Bedürfnisse natürlich mit unserer Betätigung und auch mit dem Wechsel der Jahreszeiten ändern. Wenn wir uns diesen Gegebenheiten immer wieder neu anzupassen, befolgen wir das Gesetz des Ausgleichs – und ernähren uns im besten Sinn des Wortes "ausgeglichen".

Christopher Vasey