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Das Geheimnis der Geburt

Wer kommt da „auf die Welt“?

Jede Geburt ist ein Wunder. Ein kleines Wesen ist angekommen, das seinen eigenen Charakter und Willen hat. Wer ist es? Woher kommt es? Ist es tatsächlich aus seinen Eltern hervorgegangen?

Jemand ist da!

Etwas entwickelt sich während der neun Schwangerschaftsmonate im Leib der werdenden Mutter. Zunächst ist noch nichts sichtbar, die Frau spürt den werdenden Körper nicht und weiß nur indirekt, daß sich etwas in ihr vollzieht.

Plötzlich jedoch bewegt sich dieses "Etwas" und reagiert auf verschiedene Stimuli. Was bisher nur "organisch" war, wird bald als kleines Lebewesen mit eigener Persönlichkeit empfunden. Jemand ist da!

Dieser Eindruck verstärkt sich, je näher die Geburt rückt. Ein Wesen, das selbst spürt, empfindet, reagiert, etwas will! Jemand, der sein Leben später nach seinen eigenen Wünschen gestalten wird.

Jede Geburt erscheint angesichts des "neuen Lebens" als Wunder. Es entstehen jedoch auch Fragen: Woher stammt dieses Wesen, das soeben "auf die Welt gekommen" ist? Ist es ein Teil seiner Eltern? Haben diese es wirklich geschaffen?

Sicher, die Eltern haben etwas gegeben, damit dieses Kind da ist, und dabei handelt es sich ganz klar um Materielles: Eizelle, Sperma und weitere Substanzen während der Schwangerschaft haben dazu beigetragen, den Körper des Neugeborenen zu bilden. Das Kind jedoch besitzt auch einen eigenen Charakter, einen eigenen Willen, eine eigene Persönlichkeit. Stammt diese auch von den Eltern?

Die Beantwortung dieser Fragen hängt davon ab, ob man den Menschen als etwas ausschließlich "Fleischliches" betrachtet oder ob man seinen Wesenskern als etwas Immaterielles erkennt, ob man also die psychischen Eigenschaften einer nicht-stofflichen Seele zuschreibt, die den Körper während ihres "irdischen Aufenthaltes" bewohnt.

Die großen Religionen gehen alle von einem immateriellen Element im Menschen aus. Im biblischen Bericht von der Erschaffung des Menschen kommt beispielsweise klar zum Ausdruck, daß der Mensch "aus Lehm geformt" wurde, daß diesem materiell gebildeten Körper dann aber "lebendiger Odem eingeblasen" wurde (vgl. 1. Mose 2, 7). Für diese "Doppelnatur" des Menschen – materieller Körper und lebendige Seele – sprechen aber nicht nur religiöse Überlieferungen, sondern auch viele Beobachtungen an Kindern. Wenn ein Baby zum Beispiel damit beginnt, seine Hände zu bewegen, dann hat man dabei den Eindruck, daß es sich bemüht, ein neues "Instrument" zu beherrschen; die lebendige Seele versucht, den Körper bewußt "in den Griff zu bekommen". Auch zeigen Neugeborene in ihren Wünschen oder im Ausdruck ihres Unbehagens deutlich eine eigene, vorgeprägte Persönlichkeit.

Unsere Sprache bringt das intuitive Wissen zum Ausdruck, daß die menschliche Seele schon vor ihrer Geburt existierte. Wenn es heißt, daß "die Mutter ihr Kind zur Welt bringt", dann unterstellt dies ja, daß die Seele des Kindes ursprünglich nicht von dieser Welt ist.

Auch wenn gesagt wird, jemand sei "der geborene Poet" oder er trage " eine Gabe in sich", so weist dies auf Fähigkeiten hin, die dieser Mensch "mitbringt". Die selbstverständliche Annahme, daß die Seele schon vor ihrer Geburt existierte, kommt auch in der Kinderfrage zum Ausdruck: "Sag Mama, wo war mein kleiner Bruder, bevor er zu uns kam?" Für das Kind ist klar, daß niemand plötzlich aus dem Nichts hervorgegangen sein kann.

Der Storch und die Wissenschaft

In bildhafter Form verdeutlicht auch die Geschichte vom Storch, der die Babys bringt, daß jedes Kind in einer "weit entfernten Welt" schon existierte, bevor es zur Familie kam. Demgegenüber will eine nüchtern wissenschaftliche Betrachtung, den "Ursprung des Lebens" in der Verbindung von Sperma und Eizelle erkennen. Nichtstoffliche seelische Einflüsse erscheinen nicht beweisbar. Demzufolge wäre jedes Kind ganz und gar aus seinen Eltern hervorgegangen, und die Eltern, die dem Kind "das Leben schenken", wären für alle seine Gaben und Makel verantwortlich. Natürlich hat diese Vorstellung vom "Leben geben" schon viele Mütter und Väter nachdenklich gemacht. Denn wer kann sich selbst schon ehrlichen Herzens als "Schöpfer" betrachten?

Allein die Tatsache, daß das Kind durch sie zur Welt kommt, ist für manche Mutter schwer begreifbar. Was trägt sie denn willentlich dazu bei, damit der kleine Körper sich in ihr formen kann? Welche Gedanken, Worte oder Handlungen wirken sich auf die Entwicklung des Kindes aus? Die Mutter gibt zwar die Möglichkeit für eine Zeugung, diese vollzieht sich jedoch ohne ihr Wissen und Zutun, ebenso die weitere Multiplikation der Zellen und die Entwicklung der Organe. Auch die Dauer der Schwangerschaft kann die Frau im Normalfall nicht beeinflussen, und die Geburt löst sich aus, ohne daß sie bewußt ein Zeichen dazu gibt. Dies alles zeigt, daß die Vorstellung, wir Menschen würden den Kindern das Leben geben, falsch ist. Wir können eine Geburt ermöglichen, wir können gute irdische und geistige Voraussetzungen schaffen, aber die Menschwerdung selbst vollzieht sich weitestgehend außerhalb unseres willentlichen Einflusses. Die Menschenseele hat schon vor ihrer Geburt existiert, durch eine Schwangerschaft aber ist ihr die Möglichkeit gegeben, sich einem physischen Körper anzuschließen und diesem dadurch "Leben einzuhauchen".

Die Ungleichheit bei den Geburten

Wenn wir von einer solchen "Präexistenz der Seele" ausgehen, so stellt sich als nächstes nun die Frage, wie die Ungleichheit bei den Geburten zu beurteilen ist. Weshalb müssen zum Beispiel manche Kinder schwere Krankheiten durchleiden, andere aber nicht? Gibt es im Leben keine Gerechtigkeit? Es wird viel über diese Frage diskutiert, doch gibt es nur zwei Antwortmöglichkeiten: Entweder man unterstellt, daß viele "unschuldige Kinder" tatsächlich zu Unrecht etwas erleiden müssen – oder es gibt eine verborgene Gesetzmäßigkeit, die darüber wacht, daß "das richtige Kind zur richtigen Familie" kommt.

Wenn wir davon ausgehen, daß die ganze Schöpfung von der Liebe und Gerechtigkeit des göttlichen Willens getragen wird, so bildet nur die zweite Antwort eine richtige Grundlage für weitere Überlegungen. Demnach aber kann kein Mensch unschuldig sein, wenn er "auf die Welt kommt", sondern er muß etwas "mitbringen", das genau zu dem Schicksal seiner Geburt paßt. Er muß sich also schon früher bestimmte Stärken und Schwächen erworben haben, er muß eine "Saat" gelegt haben, die er mit den Verhältnissen seiner Geburt "erntet". Früher – bedeutet das: in einem vergangenen Erdenleben?

Erinnerungen an frühere Erdenleben

Viele Menschen glauben heute bereits an die Reinkarnation, doch wird als Hauptargument gegen mehrere Erdenleben oft vorgebracht, daß sich ja niemand an ein früheres Leben erinnern könne. Das ist jedoch ein Irrtum. Tatsächlich gibt es zahlreiche Kinder, die fähig sind, von Ereignissen in früheren Leben zu berichten. Diese Kinder sind meist jünger als vier Jahre, wenn sie spontan damit beginnen, ihren Eltern oder Geschwistern "von früher" zu erzählen, von ihrem früheren Namen, von dem Haus, in dem sie wohnten, ihrer damaligen Familie oder von bestimmten Personen. Über wichtige Ereignisse, etwa eine Hochzeit, einen Unfall oder Krankheit, erzählen solche Kinder manchmal wiederholt, weil sie davon immer noch tief bewegt zu sein scheinen.

Diese Zeugnisse könnte man natürlich als Phantasieprodukte ansehen, tatsächlich aber steckt mehr dahinter. Der kanadische Forscher Ian Stevenson (1918–2007) untersuchte detailliert und systematisch mehrere hundert solcher Berichte, suchte die Orte auf, von denen die Kinder erzählt hatten, faßte die Informationen von Zeugen zusammen, führte wiederholt Befragungen durch und kam zum Schluß, daß die Schilderungen wahr sein müssen. Die Kinder konnten sich tatsächlich an frühere Erdenleben erinnern.

Manchmal ist die Identifikation des Kindes mit seiner früheren Persönlichkeit besonders stark ausgeprägt. Solche Kinder sprechen dann mit Wehmut von der vergangenen Zeit, äußern das Verlangen, an den Ort ihres früheren Lebens zurückzukehren, ihre Eltern wiederzusehen oder möchten mit ihrem "richtigen Vornamen" genannt werden.

Werden sie tatsächlich dorthin geführt, wo sie ihr vorheriges Leben verbracht hatten, so können sie auch durch ein Gewirr von Straßen den Weg nach Hause finden. Sie erkennen Mitglieder ihrer Familie oder Nachbarn und wissen um bauliche Veränderungen Bescheid, die am Haus vorgenommen wurden. Natürlich sind das Ausnahmefälle, die voraussetzen, daß ein Mensch sehr schnell nach seinem Tod wieder geboren wurde. Dies kann man aber nicht als Regel annehmen.

Das eigentliche Ich des Menschen

Gehen wir also davon aus, daß jeder Mensch, schon wenn er auf die Welt kommt, geprägt ist von seinen Erlebnissen aus vergangenen Erdenleben – auch wenn er sich nicht bewußt daran erinnert.

Nun stellt sich die Frage: Was ist der Wesenskern des Menschen, sein persönliches Ich, das alles, was es in einem früheren Leben gesät hat, ernten muß – in Form von Gesundheit oder Krankheit, glücklichem oder unglücklichem Schicksal? Das persönliche Ich, das die Eltern nicht erschaffen oder gezeugt haben, sondern mit dem neugeborenen Kind nur bei sich aufnehmen?

Das Ich ist der Geist des Menschen. Dieser Geist stammt aus einer anderen, nichtstofflichen Ebene der Schöpfung. Er ist das Zentrum unseres Bewußtseins, aus ihm stammen alle geistigen Fähigkeiten wie der freie Wille, das Empfinden für Gutes und Gerechtes oder der Schönheitssinn. Wir Menschen sind Geist, das körperliche Gehirn ist hingegen nur ein Werkzeug, das uns für das Leben in der irdischen Welt zur Verfügung steht.

Daher heißt es ganz richtig: "Ich haben einen Körper!" Indes wäre es falsch zu sagen: "Ich habe einen Geist". Wir haben keinen Geist, wir sind Geist, und inkarnieren als solcher in einen Körper. Der Ausdruck "inkarnieren" – "in das Fleisch eintreten" – drückt sehr genau aus, was vor sich geht: der Geist tritt in einen (für ihn vorbereiteten) Körper ein. Er tritt ein, aber er ist nicht der Körper.

Aus diesem Blickwinkel bekommt die Befruchtung der Eizelle einen ganz anderen Sinn. Mit der Zeugung beginnt nicht das Leben eines neuen Geistes, sondern nur die Entwicklung eines Kindeskörpers, also der materiellen Hülle, in die der Geist inkarniert und die er bei seinem Tode wieder verläßt. Mit der menschlichen Fortpflanzung wird kein neues Leben erzeugt, sondern eine neue Hülle, die in einer Welt des Werdens und Vergehens das unvergänglich Lebendige bergen kann. Geist – das ist der lebende Mensch, der Körper ist durch den Geist belebt.

Christopher Vasey

Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft