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Ernährung nach Saison
Warum es so günstig ist,
der Jahreszeit entsprechend zu essen

Heutzutage wird das meiste Obst und Gemüse während des ganzen Jahres angeboten. Da alles jederzeit erhältlich ist, ißt man nicht mehr saisonbedingt. Mancher hat sogar schon Mühe zu sagen, welches typische Frühlingsgemüse sind oder wann genau die Erdbeeren reif sind. Dennoch wäre es für die Gesundheit besser, der Jahreszeit entsprechend zu essen.

Wann hat ein Lebensmittel Saison?


Die Natur bietet uns eine Vielfalt pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel, sie stellt jedoch nicht alle gleichzeitig zur Verfügung. Das Angebot ist von einer Jahreszeit zur anderen verschieden, deshalb spricht man auch von "saisonbedingten Lebensmitteln". Dies bedeutet jedoch nicht, daß jedes Nahrungsmittel unbedingt nur einer Jahreszeit – Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – zugehört, sondern, daß es seine bestimmte Saison hat. Es geht also um einen Zeitabschnitt, während dem dieses Nahrungsmittel zur vollen Reife gelangt und dem Menschen das Bestmögliche zur Verfügung stellt. In diesem Zeitabschnitt sollte es auch konsumiert werden.

Beispielsweise dauert die Saison für Aprikosen lediglich einige Wochen, da diese Früchte sehr schnell überreif werden, um dann zu verfaulen und sich zu zersetzen. Ihre Saison kann jedoch verlängert werden, indem man sie trocknet.

Andere Lebensmittel, wie zum Beispiel der Weizen, haben eine längere natürliche Saison. Ausgereifter Weizen, der im Sommer geerntet und unter guten Bedingungen gelagert wird, kann während der ganzen folgenden kalten Jahreszeit und bis zur nächsten Ernte genossen werden. Weizen hat daher das ganze Jahr über Saison, weil er in dieser Zeitspanne seine Eigenschaften und seine Vitalität beibehält.

Den Bedürfnissen entsprechend essen

Nun gibt es einen weise eingerichteten Zusammenhang zwischen dem, was die Natur saisonal bietet, und unseren Bedürfnissen. Die Natur schenkt uns die notwendigen Lebensmittel genau dann, wenn wir sie am meisten brauchen. Tatsächlich könnte man sich auch kaum vorstellen, daß die Natur etwas zu einem unnützen Zeitpunkt hervorbringt.

Im allgemeinen und in großen Zügen gesehen werden uns über das Jahr folgende Lebensmittel geboten: Im Frühjahr, in der Zeit des Erwachens und der Erneuerung, stellt die Natur vor allem junge Sprossen zur Verfügung: Löwenzahn, Rapunzel usw. Schnell wachsende, vitale oder auch vitaminreiche Pflanzen helfen dem menschlichen Körper bei seinen verstärkten Aktivitäten, wie sie für diese Jahreszeit typisch sind, und sie entsprechen auch dem erhöhten Vitaminbedarf, nachdem im Winter vorwiegend lange haltbare, vitaminarme Nahrungsmittel zur Verfügung standen, weil es in dieser Jahreszeit fast keine frischen Lebensmittel gibt. Vom Frühjahr an werden von der Natur auch die Proteine in größerer Menge zur Verfügung gestellt. Die Hühner legen wieder regelmäßiger, die Kühe kalben und stillen. Das Angebot an proteinreichen Nahrungsmitteln, wie Eier, Milch und Fleisch, wird größer. Dies entspricht dem erhöhten Proteinbedarf während der heißen, sonnigen Monate. Die Tage sind länger, man ist länger aktiv, und der Gewebeverbrauch ist somit ebenfalls höher.

Während der wärmsten Zeit des Jahres bietet die Natur auch die saftigsten Gemüse: Gurken, Tomaten, Melonen usw. Sie helfen, den durch die hohen Temperaturen bedingten größeren Flüssigkeitsbedarf zu decken. Der Sommer ist auch die Zeit des Obstes, das energiereich und bei großer Hitze leicht verdaulich ist. Im September und Oktober, mit der Rückkehr der kühleren Tage, muß die Nahrung gehaltvoller werden, damit der Organismus im härteren Klima gut bestehen kann. So stehen zu dieser Zeit konzentriertere Nahrungsmittel zur Verfügung: Getreide, Hülsenfrüchte, Kastanien, Nüsse usw. Das für die kalte Jahreszeit geeignete Gemüse – Karotten, Randen, Sellerie – ist weniger saftig, wie auch der Wasserbedarf des Körpers geringer ist.

Im Winter zwingt die Kälte den Menschen, sich mit kalorienreichen Nahrungsmitteln zu ernähren, die ihm das zur Lagerung Geeignete zur Verfügung stellt: Kartoffeln, Getreide, Hülsenfrüchte. Vitamine erhalten wir durch lagerfähiges Obst und Gemüse ebenfalls, auch getrocknetes Obst (Sultaninen, Aprikosen usw.) ist dafür eine gute Quelle. Das Konservieren geeigneter Nahrungsmittel für den Winter ist gerechtfertigt, natürlich und auch in einer konsequent saisonbedingten Ernährung richtig. Tiere tun das gleiche – Bienen heben Honig für den Winter auf, Eichhörnchen Nüsse usw.

Wären die klimatischen Verhältnisse – Sonnenbestrahlung, Temperatur usw. – das ganze Jahr über unverändert, blieben auch unsere körperlichen Bedürfnisse dieselben, und die Natur würde uns eine gleichbleibende Auswahl an Nahrungsmitteln zur Verfügung stellen. In den tropischen Gebieten nahe dem Äquator ist dies der Fall, hier verändert die Natur das Nahrungsangebot über das Jahr kaum. Die Pflanzen wachsen während des ganzen Jahres.

Der günstige Einfluß saisonbedingter Lebensmittel

Es gibt zwei Hauptgründe, weshalb es für den Menschen vorteilhaft ist, saisonbedingt zu essen. Einerseits, weil die Nahrungsmittel den organischen Bedürfnissen zu der jeweiligen Jahreszeit ideal angepaßt sind; sie entsprechen ihnen, und wir können den größtmöglichen Vorteil daraus ziehen. Andererseits bieten die Nahrungsmittel während der Zeit ihrer vollen Reife die meisten Nährstoffe – Vitamine, Spurenelemente usw.

Wenn wir ein Nahrungsmittel außerhalb der Saison essen, spendet es uns naturgemäß weniger Kraft, es ist minderwertig. Außerdem müssen solche Nahrungsmittel oft von weit her eingeführt werden und sind mit Konservierungsstoffen behandelt oder wurden auf unnatürliche Weise kultiviert. Das alles vermindert den lebensnotwendigen Gehalt eines Nahrungsmittels.

So viel wie möglich saisonbedingt zu essen, ist außerordentlich günstig für die Gesundheit. Wie genießen auf diese Art das Beste, was die Natur zur Verfügung stellt, zu einer Zeit, in der wir es am meisten benötigen.

Christopher Vasey