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Die Gesetze der Gesundheit

Wenn wir die uns umgebende Natur aufmerksam beobachten, so erkennen wir, daß sich die Naturphänomene auf immer gleiche Weise vollziehen: Die Jahreszeiten folgen einem bestimmten Rhythmus, die Planeten ziehen ihre festgelegten Bahnen, jede Pflanze wächst auf ihre Weise zu einer ganz bestimmten Zeit. Diese Regelmäßigkeit läßt darauf schließen, daß die Natur einer Ordnung folgt, der bestimmte Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen. Im Unterschied zu den von uns Menschen aufgestellten Gesetzen, welche häufig geändert und durch neue ersetzt werden, sind die Naturgesetze unumstößlich, unveränderlich – sie bedürfen keiner Nachbesserung.

Auf der Suche nach Erkenntnis – vom Kleinen zum Großen

Wie können wir Gesetzmäßigkeiten erkennen? Während die von uns Menschen aufgestellten Gesetze niedergeschrieben wurden und in Büchern nachzulesen sind, erschließen sich uns die Naturgesetze durch Beobachtung unserer Umwelt. Da die übergeordneten Gesetzmäßigkeiten große Prinzipien sind, die überall in der Schöpfung Gültigkeit haben, kann man ihnen auf die Spur kommen, indem man irgendeinen Teil der Natur beobachtet: Tiere, Pflanzen, Gestein, Atome, Himmelskörper usw. Auch durch Beobachtung unseres Körpers, zum Beispiel der Funktion unserer Organe, lassen sich Gesetzmäßigkeiten erkennen. In einem zweiten Schritt gilt es dann herauszufinden, wie sich daraus allgemeingültige Schöpfungsgesetze ableiten lassen.

Die Arbeitsweise unseres Organismus läßt sich in drei Phasen unterteilen: Zunächst erhält der Körper die Energien, deren er bedarf, anschließend verarbeitet er sie, um sie nutzbar zu machen, und zuletzt gibt er die überschüssige Energie und die Abfallstoffe wieder ab. Die erste Phase der Energiezufuhr ist unumgänglich, denn wir verfügen von uns aus nicht über alle Energien, deren wir bedürfen. Wir benötigen also die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, und die Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen. Diese Energien dringen über die Atemwege beziehungsweise den Verdauungstrakt in uns ein. Man könnte auch noch die Haut anführen, denn in einem gewissen Sinne "atmet" auch sie und nimmt sogar Substanzen auf, mit denen sie in Kontakt kommt, wie zum Beispiel Mineralstoffe in den Thermalbädern.

Die zweite Phase der organischen Funktionen besteht in der Umwandlung der Energien, die in den Körper eingedrungen sind. Denn außer der Luft und dem Wasser, welche praktisch so, wie sie sind, genutzt werden können, müssen die anderen Energien – also die Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen – umfassenden Umwandlungen unterzogen werden, bevor der Körper sie nutzen kann. So kann Brot zum Beispiel nicht direkt ins Blut und dann zu den Zellen gelangen, es muß davor in ausreichend kleine Teilchen zerlegt und chemisch aufgeschlossen werden. Diese Umwandlungen vollziehen sich im Verdauungstrakt, dessen Aufgabe darin besteht, Nahrungsmittel mit Hilfe von mechanischen (Kauen, Durchmischen im Magen, Darmperistaltik) und chemischen Prozessen (Spaltung von Molekülen durch Enzyme, die in den Verdauungssäften enthalten sind) in immer winzigere Teilchen aufzuspalten. Die Stärke des Brotes besteht aus langen Ketten von – bis zu tausend – Glukose-Molekülen. Während des Verdauungsprozesses werden diese langen Ketten in mehreren Etappen so weit zerlegt, bis von der Glukose nur noch Einzelmoleküle übrigbleiben. In gleicher Weise werden Proteine in Aminosäuren und Fette in Fettsäuren gespalten. Erst in dieser einfachen Form können die Nährstoffe aufgenommen und den Zellen zugeführt werden.

Während der dritten Phase verlassen die Energien den Körper auf zweierlei Art: einerseits, indem sie verbraucht werden – innerlich für den Organismus (Herzkontraktionen, Wärmeproduktion usw.) und äußerlich für die Aktivitäten des Alltags (Fortbewegung, Arbeiten usw.) – und andererseits, indem sie in Form von Abfallstoffen durch die Ausscheidungsorgane entsorgt werden. Diese Abfallstoffe sind die für den Organismus nicht nutzbaren oder nicht genutzten Energien (die harte Zellulose des Getreides beziehungsweise nicht eingelagerter Nahrungsmittelüberschuß), aus der Verbrennung stammende Schlacken (die "Asche" des organischen Motors) oder Rückstände aus dem Zellstoffwechsel (Abfälle und sogenannte "Zellkadaver").

Wovon unsere Gesundheit abhängt

Damit wir uns einer guten Gesundheit erfreuen können, ist es notwendig, daß sich jede dieser Phasen harmonisch vollzieht: Die Nahrungsmittelzufuhr muß qualitativ und quantitativ den Umwandlungsmöglichkeiten des Verdauungstraktes entsprechen, die Verdauung und Assimilation müssen korrekt und vollständig erfolgen, die Energieabgabe muß im Gleichgewicht mit der Energieaufnahme sein, und alle anfallenden Abfallstoffe müssen rasch ausgeschieden werden.

Diese drei Phasen sind stark voneinander abhängig: Ist die aufgenommene Nahrungsmenge zu groß (Phase 1), vollzieht sich die Verdauung nur unzureichend (Phase 2); sind die Nahrungsmittel schlecht verarbeitet (Phase 2), so fehlt es an Energie für die Umsetzung (Phase 3), oder die daraus entstehenden Abfallstoffe übersteigen die Kapazität der Ausscheidungsorgane (Phase 3).

Diese Abhängigkeit zeigt sich auch im umgekehrten Sinne: Wer wenig Bewegung hat (Phase 3), vermindert durch ungenügende Verausgabung die Verdauungsmöglichkeiten (Phase 2). Die ungenügenden Ausscheidungen (Phase 3), zum Beispiel bei Verstopfung, resultieren in einer Minderung der Energiezufuhr (Phase 1), und letztlich beeinflussen Verdauungsprobleme (Phase 2) auch die Wahl der Nahrungsmittel (Phase 1).

Die beobachteten Tatsachen lassen sich in Form von Einzelgesetzen zusammenfassen, wie zum Beispiel:
• Jede zu reichliche Mahlzeit hat eine Überlastung des Verdauungstraktes zur Folge.
• Jede unvollkommene Verdauung von Nahrungsmitteln ergibt zahlreiche Abfallstoffe.
• Jede mengenmäßig ungenügende Zufuhr an Nahrungsmitteln führt zu einer Verminderung von Energie zur Verausgabung.

Keine Ursache ohne Wirkung

So verschieden diese Gesetzmäßigkeiten auch sind, sie unterstehen alle einem großen Allgemeingesetz. Dieses Gesetz, welches besagt, daß jede Handlung, jeder Prozeß eine Rückwirkung auf Handlungen oder Prozesse hat, ist das Gesetz der Wechselwirkung.

Obwohl dieses Gesetz im Grunde für jeden eine Selbstverständlichkeit ist, findet es in der Therapie oft nicht genügend Beachtung. Wie viele Verdauungsbeschwerden werden behandelt, ohne daß gefragt wird, welche Nahrungsmittel der Kranke zu sich nimmt! Wie viele Patienten leiden unter Problemen der Ausscheidungsorgane, ohne daß untersucht wird, woher die vielen Schlacken kommen, die ausgeschieden werden müssen!

Entzündungen will man bekämpfen, ohne den auslösenden Faktoren Beachtung zu schenken. Blut soll verdünnt werden, ohne nach den Ursachen der Verdickung zu fragen. Das Gesetz der Wechselwirkung wirkt nun nicht ausschließlich auf der körperlichen Ebene, sondern es beeinflußt, wie wir sehen werden, alle Gebiete des Lebens.

Alles ist Bewegung

Betrachten wir nun unsere Organfunktionen unter einem anderen Blickwinkel, um ein weiteres Allgemeingesetz zu erkennen. Die Funktionsweise des menschlichen Körpers kann mit der eines Energieumwandlers verglichen werden. Wie bei diesem gibt es einen Energiefluß, der in ihn eindringt (1. Phase), ihn durchquert (2. Phase), um ihn schließlich wieder zu verlassen (3. Phase). Die Gesundheit des Organismus hängt demnach von einer guten, gleichmäßigen Energiezirkulation ab.

Das Einstellen der Energiezufuhr hätte unvermeidbar eine Unterbrechung der organischen Prozesse zur Folge. Die Verdauungsabläufe wären ebenso unterbunden wie das äußere Leben. Ein Blockieren des Umwandlungsprozesses hätte gleichfalls schlimme Folgen: Die Energien würden wohl in den Körper eindringen, da sie jedoch nicht verfügbar wären, würden sie weder zu den Organen noch zu den Muskeln gelangen. Ein Aussetzen der Ausscheidungen würde seinerseits verhindern, daß die verbrauchten Energien (die Toxine) den Körper verlassen können, was zu einer gefährlichen Anhäufung von Schlacken im Körpermilieu führen würde.

All dies läßt erkennen, wie notwendig es ist, daß unser Organismus permanent mit Energie versorgt und in Bewegung gehalten wird. Das Gesetz der Bewegung ist somit ein weiteres großes Schöpfungsgesetz, welches besagt, daß alles Lebendige in Bewegung bleiben muß, um lebendig zu bleiben.

Das Gesetz der Bewegung zeigt sich auch in der Blutzirkulation, die sicherstellt, daß den Zellen ununterbrochen die ihnen notwendigen Nährstoffe zur Verfügung stehen, und die verhindert, daß das Blut verdickt und ein Gerinnsel bildet, welches ein Gefäß verstopfen und so die Durchblutung unmöglich machen würde (Herzinfarkt, Hirnschlag, Embolie). Auch die Zirkulation des Sauerstoffes durch unsere Gefäße ist eine Lebensnotwendigkeit, ebenso wie körperliche Tätigkeit für den Aufbau und Erhalt der Muskeln sorgt oder der ununterbrochene Zellaustausch Assimilation und Wachstum ermöglicht.

Zahlreiche Therapien haben als einziges Ziel die Wiederherstellung oder Förderung unserer Bewegungsmöglichkeiten. Massagen aktivieren die Blutzirkulation und den Zellaustausch. Wassertherapie hat dieselbe Wirkung, zudem intensiviert sie die Atmung. Die verschiedenen Reflexzonenmassagen (an den Füßen, Ohren usw.) haben zum Ziel, die Tätigkeit der Organe über die Nerven anzuregen. Chiropraktik und Osteopathie stellen durch ihre manuellen Einwirkungen die Zirkulation in den Nervensträngen wieder her, die Akupunktur die Energie in den Meridianen. Auch die Gymnastik hat therapeutische Effekte, da sie erschlaffte Funktionen stärkt oder müde gewordene Organe wieder belebt.

Die richtige Balance finden

Ebenso wie das Gesetz der Bewegung ist ein weiteres großes Schöpfungsgesetz – das Gesetz des Gleichgewichtes – überall wirksam. In bezug auf die Funktionsweise unseres Organismus lassen sich wieder zahlreiche Formen von Gleichgewicht erkennen: das Gleichgewicht zwischen den eingenommenen Nahrungsmitteln und den Möglichkeiten unseres Verdauungstraktes, diese zu verwerten, das Gleichgewicht zwischen der Energiezufuhr und der organischen Verausgabung sowie das Gleichgewicht zwischen der Schlackenproduktion und den Möglichkeiten der Ausscheidungsorgane.

Sobald ein Gleichgewicht nicht mehr beachtet wird – weil einer der beiden Faktoren stärker "gewichtet" wird – stellt sich Krankheit ein. Decken die Nahrungsmittel die Bedürfnisse des Körpers nicht, so können die Organe nur eingeschränkt tätig sein (weniger Energieproduktion führt zu mangelndem Muskeltonus oder Asthenie). Übersteigt hingegen die Zufuhr an Nahrungsmitteln die Bedürfnisse, so ist der Organismus überfordert (Verdauungsstörungen), er muß vermehrt arbeiten (Hypersekretion der Magensäfte, Hyperthermie, Bluthochdruck), Toxine häufen sich an (Verschlackung des Körpermilieus), und es kommt zu einer verstärkten Einlagerung von Fettgewebe (Gewichtszunahme). Das Gesetz des Gleichgewichtes zeigt sich auch im Gleichgewicht zwischen dem arteriellen und dem venösen Blutvolumen, zwischen der ein- und ausgeatmeten Luft, zwischen Aktivität und Ruhezeit, der Bewegung des rechten und des linken Beines beim Gehen, um sicherzustellen, daß wir unser … Gleichgewicht wahren.

Wenn eine übergroße Menge an Toxinen, Mikroben und Giften unseren Organismus in Gefahr bringt und dieser schnellstens durch Verbrennen davon befreit werden muß, entsteht Fieber. Fieber ist jedoch an sich kein krankhafter Zustand, sondern lediglich eine Temperaturerhöhung, die sich aus der Beschleunigung der Organtätigkeiten ergibt. Diese Beschleunigung ist notwendig, um durch Verbrennung der überschüssigen Bestandteile unser Körpermilieu auszugleichen.

In der Therapie gibt es zahlreiche Methoden zur Ausscheidung von Giften aus dem Organismus und damit zum Ausgleichen des Körpermilieus. Dazu gehört das Dränieren der Toxine. Dies erfolgt mit Hilfe von Heilpflanzen oder homöopathischen Mitteln, welche die Arbeit der Ausscheidungsorgane beschleunigen und somit für eine verstärkte Ausleitung von Toxinen sorgen. Abführmittel, Einläufe und früher auch der Einsatz von Blutegeln gehören zu diesen Reinigungstherapien. Auch Fasten und Diäten nehmen eine wichtige Stellung ein, weil sie die verhängnisvollen Folgen der Überernährung ausgleichen helfen. Wenn man nichts mehr ißt (fastet) oder nur sehr wenig oder ausgewählte Nahrung zu sich nimmt (Diät), so ist die Produktion von Toxinen unterbrochen oder vermindert. Vor allem jedoch kann sich das Körpermilieu wieder ausgleichen, da der Organismus die in den Geweben angehäuften Toxine verbrennen muß, um so Nährstoffe für seine Tätigkeit zu erhalten.

Das Streben nach Gleichgewicht zeigt sich auch darin, wie der Körper die Ausscheidungsorgane benutzt, um sich von Toxinen zu befreien. Manchmal bedient er sich abwechselnd zweier Organe, um zu verhindern, daß ein Organ die Aufgabe ganz allein übernehmen muß und dabei durch die Aggressivität der Gifte Schaden nimmt. So ergeben sich wechselnde Ausscheidungskrisen, bei denen die Entfernung der Schlacken abwechselnd über zwei verschiedene Organe erfolgt. Die bekanntesten dieser Fälle sind das Abwechseln zwischen Asthma (Ausscheidung von krankmachenden Toxinen über die Atemwege) und Ekzem (Ausscheidung über die Haut) oder auch Asthma und Hämorrhoiden (künstliche Ausscheidung durch Blutungen).

Diese Möglichkeit, verschiedene Organe zur Ausscheidung einer bestimmten Art von Toxinen zu benutzen, kann man in der Therapie zur Umleitung nutzen: Um ein geschwächtes oder krankes Organ zu entlasten, werden die Toxine, welche den Körper durch dieses Organ verlassen möchten, bewußt zu einem anderen – gleichartigen – geleitet. Ein Beispiel: Die Nieren können durch Schwitzen entlastet werden, da die Schlacken, die mit dem Urin und mit dem Schweiß ausgeschieden werden, gleicher Art sind. Das Aufsetzen von Schröpfköpfen während einer Asthmakrise ermöglicht es, die Toxine, welche die Atemwege belasten, zur Haut umzuleiten. Dasselbe Ergebnis kann mit Senfwickeln erreicht werden – eine Methode, die schon unsere Großmütter anwendeten.

Eins ist nicht für alle

Unter den großen allgemeingültigen Naturgesetzen muß noch das Gesetz der Anziehung der Gleichart erwähnt werden. Seine Wirkungsweise kommt in dem Spruch "Gleich und gleich gesellt sich gern" gut zum Ausdruck.

Oft kann man feststellen, daß ein und dieselbe Behandlung je nach Art des Patienten unterschiedliche Auswirkungen hat. Für ein spezielles Gesundheitsproblem wirkt eine bestimmte Heilpflanze bei gewissen Menschen sehr gut, bei anderen hingegen hat sie keinen fördernden Effekt oder, was schlimmer ist, sogar einen hemmenden. Dies trifft auch auf Behandlungsarten wie Akupunktur, Wasseranwendungen oder Homöopathie zu, die sich bei manchen Patienten sehr erfolgreich zeigen, bei anderen jedoch nicht.

Es ist gut bekannt, daß für die einen ein Aufenthalt in den Bergen besonders wohltuend ist, für andere hingegen ein Aufenthalt am Meer. Diese unterschiedliche Wirksamkeit hängt – wie man ganz richtig sagt – davon ab, ob eine bestimmte Therapieform "zu jemandem paßt" oder nicht.

Auf der Grundlage dieser Gesetzmäßigkeit waren Therapeuten von jeher bemüht, nach Ähnlichkeiten zwischen den therapeutischen Maßnamen (Heilpflanzen, Heilmittel oder Nahrungsmittel) und der Art der Patienten zu suchen. Dies zeigt sich in Verbindung mit den verschiedenen Temperamenten. Es gibt vier Grundtemperamente: den Sanguiniker, den Melancholiker, den Choleriker und den Phlegmatiker. Jedes Temperament hat Ähnlichkeit oder Gleichart mit ganz bestimmten Dingen.

Nehmen wir zum Beispiel einen Menschen mit phlegmatischem Temperament, welches dem Element Wasser zugeordnet wird: Er liebt die Stille und die Ruhe, hält sich gerne in der Nähe von Wasser auf (See, Flüsse, Meer) und reagiert gut auf Hydrotherapie sowie Anwendungen mit Algen und Heilpflanzen in flüssiger Form (Kräutertees, Tropfen usw.) Das ihm entgegengesetzte Temperament ist das cholerische, dem Feuer verbundene. Ein cholerischer Mensch liebt die Bewegung; ein ruhiges Leben über eine längere Zeit widerspricht seiner Natur. Es kann ihn sogar krank machen, da er seine Kräfte nicht verausgaben kann. Sport und körperliche Betätigung liegen ihm mehr als Ruhe; Sonnenbäder sind besser für ihn als Wasseranwendungen, und auf Heilpflanzen spricht er in trockener Tablettenform besser an als in Form von Kräutertees.

Die Beschreibung der Temperamente hat allerdings immer etwas Karikaturhaftes und Einseitiges an sich. Denn in Wirklichkeit zeigen sie sich nie in ihrer reinen Form. Jeder von uns ist eine Mischung der verschiedenen Temperamente, bei der jedoch das eine oder andere vorherrschend ist. Die große Kunst in der Medizin besteht also darin, die Ähnlichkeit herauszufinden, welche zwischen dem Temperament des Kranken und den anzuwendenden therapeutischen Mitteln besteht.

Es mag widersinnig erscheinen, aber das Gesetz der Gleichart zeigt sich auch da, wo wir eine Abneigung empfinden, gegen ein Nahrungsmittel beispielsweise oder ein Heilmittel, das wir schon seit einiger Zeit einnehmen. Dies läßt sich jedoch einfach begründen: Wenn man davon ausgeht, daß sich Gleiches anzieht, so bedingt dies auch, daß sich Gegensätze abstoßen. Tut uns ein Nahrungsmittel nicht gut, so werden wir von ihm zumindest nicht angezogen, es hat in der Regel sogar eine "abstoßende" Wirkung auf uns. Wir haben keine Lust, es zu uns zu nehmen; unser Körper weiß, daß es ihm nicht gut tut. Das Gefühl der Abneigung, welches durch den Anblick oder Geruch ausgelöst wird, sorgt dafür, daß wir das Nahrungsmittel aus unserem Speiseplan streichen. Ebenso kann ein Heilmittel, welches über längere Zeit eingenommen wurde, im Körper zu einer Sättigung führen und ihn dazu veranlassen, jede weitere Einnahme zu verweigern. Auf diese Weise schützt sich unser Organismus vor störenden Auswirkungen.

Das Immunsystem, von dem heutzutage so viel die Rede ist, ist auch dem Gesetz der Gleichart unterstellt: Seine Aufgabe besteht darin, das Eigene vom Nicht-Eigenen zu unterscheiden. Es akzeptiert alles, was Gleichart mit dem eigenen Organismus hat; was diese Gleichart nicht aufweist – wie zum Beispiel Mikroben, Krebszellen, fremde Proteine usw. –, wird jedoch neutralisiert, zerstört oder zurückgewiesen. Dieser Prozeß kann sehr langsam, aber auch extrem schnell vor sich gehen: Manchmal dauert es Jahre, bis der Organismus einen Fremdkörper (z. B. einen Splitter) ausscheidet, der in seine Gewebe eingedrungen ist. In anderen Fällen ist die Reaktion auf das Artfremde sehr schnell, heftig und kurz. Dies ist der Fall beim Erbrechen, dem Husten, Durchfall, Schweißausbrüchen und ganz besonders bei Allergien, welche schon Sekunden nach dem Kontakt mit dem Allergen ausbrechen können.

Die richtige Balance finden

Ebenso wie das Gesetz der Bewegung ist ein weiteres großes Schöpfungsgesetz – das Gesetz des Gleichgewichtes – überall wirksam. In bezug auf die Funktionsweise unseres Organismus lassen sich wieder zahlreiche Formen von Gleichgewicht erkennen: das Gleichgewicht zwischen den eingenommenen Nahrungsmitteln und den Möglichkeiten unseres Verdauungstraktes, diese zu verwerten, das Gleichgewicht zwischen der Energiezufuhr und der organischen Verausgabung sowie das Gleichgewicht zwischen der Schlackenproduktion und den Möglichkeiten der Ausscheidungsorgane.

Sobald ein Gleichgewicht nicht mehr beachtet wird – weil einer der beiden Faktoren stärker "gewichtet" wird – stellt sich Krankheit ein. Decken die Nahrungsmittel die Bedürfnisse des Körpers nicht, so können die Organe nur eingeschränkt tätig sein (weniger Energieproduktion führt zu mangelndem Muskeltonus oder Asthenie). Übersteigt hingegen die Zufuhr an Nahrungsmitteln die Bedürfnisse, so ist der Organismus überfordert (Verdauungsstörungen), er muß vermehrt arbeiten (Hypersekretion der Magensäfte, Hyperthermie, Bluthochdruck), Toxine häufen sich an (Verschlackung des Körpermilieus), und es kommt zu einer verstärkten Einlagerung von Fettgewebe (Gewichtszunahme). Das Gesetz des Gleichgewichtes zeigt sich auch im Gleichgewicht zwischen dem arteriellen und dem venösen Blutvolumen, zwischen der ein- und ausgeatmeten Luft, zwischen Aktivität und Ruhezeit, der Bewegung des rechten und des linken Beines beim Gehen, um sicherzustellen, daß wir unser … Gleichgewicht wahren.

Wenn eine übergroße Menge an Toxinen, Mikroben und Giften unseren Organismus in Gefahr bringt und dieser schnellstens durch Verbrennen davon befreit werden muß, entsteht Fieber. Fieber ist jedoch an sich kein krankhafter Zustand, sondern lediglich eine Temperaturerhöhung, die sich aus der Beschleunigung der Organtätigkeiten ergibt. Diese Beschleunigung ist notwendig, um durch Verbrennung der überschüssigen Bestandteile unser Körpermilieu auszugleichen.

In der Therapie gibt es zahlreiche Methoden zur Ausscheidung von Giften aus dem Organismus und damit zum Ausgleichen des Körpermilieus. Dazu gehört das Dränieren der Toxine. Dies erfolgt mit Hilfe von Heilpflanzen oder homöopathischen Mitteln, welche die Arbeit der Ausscheidungsorgane beschleunigen und somit für eine verstärkte Ausleitung von Toxinen sorgen. Abführmittel, Einläufe und früher auch der Einsatz von Blutegeln gehören zu diesen Reinigungstherapien. Auch Fasten und Diäten nehmen eine wichtige Stellung ein, weil sie die verhängnisvollen Folgen der Überernährung ausgleichen helfen. Wenn man nichts mehr ißt (fastet) oder nur sehr wenig oder ausgewählte Nahrung zu sich nimmt (Diät), so ist die Produktion von Toxinen unterbrochen oder vermindert. Vor allem jedoch kann sich das Körpermilieu wieder ausgleichen, da der Organismus die in den Geweben angehäuften Toxine verbrennen muß, um so Nährstoffe für seine Tätigkeit zu erhalten.

Das Streben nach Gleichgewicht zeigt sich auch darin, wie der Körper die Ausscheidungsorgane benutzt, um sich von Toxinen zu befreien. Manchmal bedient er sich abwechselnd zweier Organe, um zu verhindern, daß ein Organ die Aufgabe ganz allein übernehmen muß und dabei durch die Aggressivität der Gifte Schaden nimmt. So ergeben sich wechselnde Ausscheidungskrisen, bei denen die Entfernung der Schlacken abwechselnd über zwei verschiedene Organe erfolgt. Die bekanntesten dieser Fälle sind das Abwechseln zwischen Asthma (Ausscheidung von krankmachenden Toxinen über die Atemwege) und Ekzem (Ausscheidung über die Haut) oder auch Asthma und Hämorrhoiden (künstliche Ausscheidung durch Blutungen).

Diese Möglichkeit, verschiedene Organe zur Ausscheidung einer bestimmten Art von Toxinen zu benutzen, kann man in der Therapie zur Umleitung nutzen: Um ein geschwächtes oder krankes Organ zu entlasten, werden die Toxine, welche den Körper durch dieses Organ verlassen möchten, bewußt zu einem anderen – gleichartigen – geleitet. Ein Beispiel: Die Nieren können durch Schwitzen entlastet werden, da die Schlacken, die mit dem Urin und mit dem Schweiß ausgeschieden werden, gleicher Art sind. Das Aufsetzen von Schröpfköpfen während einer Asthmakrise ermöglicht es, die Toxine, welche die Atemwege belasten, zur Haut umzuleiten. Dasselbe Ergebnis kann mit Senfwickeln erreicht werden – eine Methode, die schon unsere Großmütter anwendeten.

Keine Regel ohne Ausnahme?

Die Tatsache, daß die genannten Naturgesetze – das Gesetz der Wechselwirkung, der Bewegung, des Gleichgewichtes und der Anziehung der Gleichart – allgemein gültig sind, bedeutet, daß es keine Ausnahme gibt.

Wenn der Mensch ohne Zögern von der "Ausnahme der Regel" spricht, ja sogar davon, daß die Ausnahme die Regel bestätigt, so nur deshalb, weil es sich dabei um seine eigenen Gesetze handelt und er weiß, daß diese unvollkommen sind. Bei den Naturgesetzen hingegen ist jede Ausnahme unmöglich – alles Geschehen spielt sich im Rahmen dieser Gesetze ab.

Was wir erleben, ist somit immer die Folge von selbst geschaffenen Ursachen. Schwierig wird es, diese Tatsache zu akzeptieren, wenn die Ursache sehr weit zurückliegt und es dementsprechend lange dauert, bevor sich die Folgen zeigen.

Mit diesem Phänomen werden wir uns im nächsten Teil der Serie befassen. Indem wir wiederum unsere Organfunktionen betrachten, werden wir sehen, wie sich eine Krankheit über Jahre hinweg vorbereiten kann, ehe sie ausbricht.

Christopher Vasey

Dieser Artikel basiert sich auf den Kenntnissen der Gralsbotschaft